»Das Meer braust und der Sturm heult, da ist es nicht gut draußen zu weilen,« sagte Abraham Jakobeit, der auf der Ofenbank saß, zu seinem jungen Gaste.

Der schaute mit sinnenden Augen in das helle Feuer, die Blässe der Krankheit lag noch auf seinem Gesicht, aus den Augen leuchtete noch nicht frohes Hoffen der Genesung, wie ein Schleier war es darüber gebreitet.

»Doch muß es schön sein, da unten zu schlafen auf dem kühlen, nassen Grunde! Mag der Sturm toben, mag das Meer zürnend grollen, der da unten liegt, der hört es nicht mehr! Warum, ach, warum habt Ihr grade mich gerettet!« so klagte der Kranke mehr zu sich, als zu dem Alten gewandt.

Der sah mit seinen hellen Augen prüfend zu ihm hin. »Seine Seele ist krank,« hatte er zu Tabea gesagt, nun genas der Körper, ob es ihm wohl gelang, auch die junge Seele zu retten?

»Neunundsechszig Jahre hat mein Leben gewährt,« sprach der alte Mann, »gute Stunden hat es mir gebracht, aber auch Stunden voll Herzleid und Gram. Stunden, in denen ich zu Gott gerufen habe: Warum, warum mir dies Leid, habe ich denn so große Sünde gethan? Mein Gott hat mir die Antwort ins Herz gelegt und ich bin stille geworden. Manchmal bin ich draußen auf dem Meere gewesen, dann kam mir in meinem Leid wohl der Gedanke, wie schön es sein müßte, da unten zu liegen in tiefem Schlaf, die Stimme in mir aber sprach: Wenn Deine Zeit gekommen ist, wird Dein Herrgott Dich rufen! und ich sah um mich und fand, daß meine Arbeit noch nicht gethan, daß mein Leben noch nicht so gewesen, daß ich von hinnen gehen konnte mit dem Gefühl, Du bist nicht ganz unnütz gewesen.

Dann nahm ich meine Arbeit auf und über der Arbeit schwand mein lauter Schmerz, er wurde still, ich lernte sehen und sah, daß es noch mehr Leid gab, noch schwereres als das meine.

Seht, Ihr seid jung, dem Meere habe ich Euch abgerungen, mit Gottes Hilfe gelang es meinen schwachen Kräften auch die Macht des Fiebers zu bewältigen. Nicht Neugier ist es, nur herzliche Teilnahme, wenn ich Sie bitte, vertrauen Sie mir Ihren Kummer an, noch können meine Schultern eines anderen Herzeleid mit tragen.«

Da schlug Michael die Hände vor sein Gesicht und heiße Thränen rannen ihm über die bleichen Wangen.