»Ich kann nicht, kann es nicht sagen,« stöhnte er.
»Noch nicht,« klang das Echo in dem Herzen des alten Mannes, »aber gesegnet seien diese Thränen, mich dünkt, es sind seit lange die ersten!«
Die Tage verrannen, strenger Winter herrschte im Land, aber Michael merkte es kaum, so warm war er gebettet, so umhegt von sorgender Liebe.
Da war Frau Johanna, Vater Abrahams Tochter, die vereinsamt nach dem Tode von Mann und Kind ins Vaterhaus zurückgekehrt. Wie sie bemüht war um den Genesenden und dieser, für den außer der seiner Mutter, noch keine Frauenhand liebend gesorgt, empfand dankbar diese freundliche Sorge, an der auch Tabea teilnahm.
Und dann diese Plauderstunden am flackernden Feuer, in denen der alte Mennonit aus dem reichen Born seiner Lebenserfahrungen schöpfte.
Wie gern lauschte Michael, eine andere, eine neue Welt war es, die sich vor ihm aufthat, war es die bessere?
Mennoniten nannten sich die Leute, unter die ihn das Schicksal verschlagen hatte, Ketzer nach seinem alten Glauben; er erinnerte sich wohl, wie Propst Ryback diese Sekte einst heftig geschmäht hatte.
Aber waren die Menschen, die ihn so hegten und pflegten wie ihren eigenen Sohn, wirklich so verdammungswürdig? —
Lange schwieg Michael über sich und seine bitteren Erfahrungen, aber dann kam eine Stunde, in der er, in traulicher Dämmerung neben dem alten Manne sitzend, mit diesem über das, was sein Herz bewegte, zu reden begann. Er sprach von den Stürmen seiner Jugend, von seinen hohen, stolzen Plänen, einst ein Auserwählter des Herrn, ein Bote des Friedens zu werden. Dann, leise stockend, von seltsamem Vertrauen zu dem Alten erfüllt, sprach er auch von dem Fluch, der sein Leben vergiftet, von der Erkenntnis der Sünde seiner Eltern.
Was er begraben im tiefsten Herzen, er holte es vor, und in leidenschaftlicher Anklage sprach er von jener Stunde, da er voll Schmerz und Zorn vor seinem Vater gestanden, da er ihm geflucht hatte, ihm und der toten Mutter. Bis er dann endlich zur Besinnung gekommen war und all' die leidenschaftliche Liebe, die er für den Freund gehegt, wieder zum Durchbruch kam.