Er sah wieder das zu Eis erstarrte Gesicht des Mannes, hörte die heisere Stimme:
»Schweig', Bube, Fluch über Dich, wenn Du verrätst, was zwischen uns steht, geh' fort von hier, so weit wie möglich — fort, fort!« Und in seinem Gesicht las man die Angst, die blasse Furcht vor dem Urteil, vor dem Gerede der Menschen; da ergriff den Sohn grenzenlose Verachtung und er stürmte hinaus.
Michael stöhnte auf, zu machtvoll war die Erinnerung über ihn gekommen. —
»Seit Jahren bin ich umhergewandert,« fuhr er fort, »damals, als mein Ziel, mein Streben, mein Hoffen zu meinen Füßen lag, wurde ich Seemann, mich trieb es so viel Meilen wie möglich zwischen die Heimat und mich zu legen. Viel bin ich umhergewandert, in fernen Weltteilen bin ich gewesen, mein Blick ist weiter geworden, meine Kenntnisse größer, aber etwas habe ich nicht wieder finden können — den alten Kinderglauben. Was damals in meinem Herzen zerbrochen ist, habe ich nicht mehr auffrischen können, nicht mehr die Brücken finden, die mich hinübergeleitet hätten in das Land des Glaubens. Welcher ist der rechte? Über diesem Grübeln habe ich ihn verloren!«
Wie ein Aufschrei kamen diese Worte aus seiner Brust, und erschüttert sah der alte Mann auf seinen jungen Gefährten nieder.
»Ja, Du armes, junges Blut, Du arme, kranke Seele! Mein Herrgott, gieb mir die Kraft, sie zu heilen,« bat er in seinem Herzen, und mit sanfter Hand begann er die Heilung.
Aus dem Buche seines Lebens und seiner Lebenserfahrungen berichtete er seinem jungen Gaste, und dieser lernte daraus verstehen, wie es kam, daß dieser einfache Fischer seine Genossen so an Kenntnissen überragte.
In seiner Jugend war Abraham Jakobeit als Seemann Jahre lang in fernen Landen gewesen, er hatte es bis zum Kapitän gebracht. Sein Weib war ihm gestorben und sein Sohn wurde bei Verwandten der Frau erzogen. Jung ging auch dieser in die Welt und verlor sein Leben auf der See.
Da sehnte sich auch Abraham nach Ruhe, er kehrte zurück in die Heimat und nahm Benjamin und Tabea, die verwaisten Kinder seines Sohnes zu sich.
Seit Jahren lebte er nun wieder hier in der Heimat, seine reicheren Erfahrungen, sein größeres Wissen zum Besten seiner Mitmenschen verwertend.