Er war ein gläubiger Mennonit geblieben, lebte getreu den einfachen, strengen Satzungen seiner Sekte, verabscheute den Krieg, hoch über Allem stand ihm der Frieden im Herzen der Menschen zueinander, aber er hatte draußen in der Welt gelernt, daß jeder Glaube, so er nur aufrichtig sei, zum Guten leiten könne, und diese seine Überzeugung sprach er auch offen gegen Michael aus.

Immer inniger schloß dieser sich an den alten Mann an, je mehr seine Körperkräfte zunahmen, desto lichter wurde es auch in seinem kranken Gemüte.

Er fühlte sich zufrieden in dem kleinen Kreise, und bald gehörte er so dazu, daß der Gedanke an Trennung in weite Ferne gerückt wurde. Für Vater Abraham war er ein Sohn, für Frau Johanna ein Kind ihrer mütterlichen Sorge, für Tabea ein älterer Bruder, und für Benjamin?

Das hätte er wohl selbst nicht zu sagen gewußt, was er für diesen bedeutete.

Es war überhaupt etwas Eigenes um Benjamin. — Verwachsen und schwächlich, hatte dieser von Kindheit an eine etwas einsame Stellung eingenommen, die durch sein verschlossenes, grüblerisches Wesen noch verschärft wurde.

Wie ein Fremdling stand er unter den Seinen, fremdartig war schon sein Äußeres, er gehörte mehr dem Stamme seiner Mutter an, die eine Südländerin gewesen war. Sein scharfgeschnittenes Gesicht mit den leidenschaftlichen, dunklen Augen hatte so wenig Ähnlichkeit mit den hellen Zügen Vater Abrahams, wie sein wilder Fanatismus mit dessen milder Güte.

Ja, fanatisch war Benjamin, und Michael entsetzte sich fast, als er das erstemal die Wahrnehmung machte, welch finsterer Geist in dem Körper des Verwachsenen wohnte.

Da war nichts von der milden Friedenslehre des Großvaters, nichts von Tabeas reinem Kinderglauben, nicht Duldung und Frieden, Kampf, erbitterter Kampf war dessen Losung.

Nach und nach hatte auch Michael mehr von Benjamins Leben erfahren. Dieser war mehrere Jahre in Amerika gewesen, hatte sich dort einer Sekte angeschlossen, die aus den Mennoniten hervorgegangen war, aber noch wenig gemein hatte mit deren alten, einfachen Satzungen. Von verschiedenen Sekten etwas annehmend, waren sie nach und nach zu wilden Fanatikern geworden.