Wochenlang kämpfte er gegen diese Sehnsucht, er wurde still und in sich gekehrt, bis ihm der alte Jakobeit zuletzt selbst zuredete, sich seinen Wunsch zu erfüllen.

Er ging, aber noch ehe er das Sanddorf verließ, kam eine Stunde, in der er neben Tabea am brausenden Meere stand, ihre Hand fest in der seinen haltend, ihre dunklen Augen suchte.

»Das tobende Meer brachte mich einst zu Euch; krank an Seele und Leib, kam ich in Euer Haus, Du warst die erste, die ich, aus Fieberwahn erwachend, erkannte. Seit jener Stunde wohnt Dein Bild in meinem Herzen, nun gehe ich fort, nur aber, wenn Du die erste sein willst, die mich empfängt, so ich wieder komme, mich empfängt als meine liebe Braut, willst Du, Tabea?«

Heiß flutete eine Blutwelle über das liebliche Mädchengesicht, mit einem Blick voll Glück und Liebe sah sie zu dem Manne auf und sagte mit verhaltenem Jubel in der Stimme:

»Ich will, ach Michael, wie liebe ich Dich!« Sie legte den Kopf an seine Brust und er küßte fast ehrfurchtsvoll die reine Mädchenstirn.

Das Meer brauste und schäumte, Welle stürzte über Welle — sie hörten das Gelöbnis der Liebe bis zum Tode, das die beiden jungen Menschenkinder mit einander eintauschten.

Zwei Tage später zog Michael von dannen, Benjamin war sein Gefährte, der hatte so darum gebeten, daß Michael nicht »Nein« sagen mochte.

Er schalt sich selbst thöricht, wenn er Benjamins Gegenwart als Last empfand, es ruhte auf ihm wie eine Ahnung schweren, kommenden Leides.


In den Zeiten des polnisches Königreiches gehörten die Herren von Leninski zu dem angesehendsten, reichsten Adel, aber wie der morsche Thron der Polen in Splitter sank, so zerfiel auch im Laufe der Jahre die Herrlichkeit der Leninskis. Das Gold rann ihnen aus den Händen, ein Stück Land des alten Besitzes nach dem anderen mußte verkauft werden und heute saß der jetzige Herr, Marcel von Leninski auf Lochowo und sah wehmütig auf den geringen Rest, der ihm von dem einstigen Reichtum geblieben war.