Inmitten eines romantischen, völlig ungepflegten Parkes, mit der Front nach einem schilfumkränzten, kleinen See lag Schloß Lochowo. Nach der Landstraße zu dehnten sich die weitläufigen, dem Verfall nahen Wirtschaftsgebäude aus, an die sich das Dorf anschloß.
Boguslaw von Leninski, der Prächtige, wie ihn seine Nachkommen nannten, hatte Jahre lang in Paris gelebt; der glänzende Hof, der die schöne, unglückliche Marie Antoinette umgab, sagte seinem beweglichen Temperament so zu, daß er seiner Besitzungen im fernen Polen nur gedachte, wenn er Geld brauchte.
Als die Stürme der Revolution sich erhoben, verließ er das geliebte, glänzende Paris mit schwerem Herzen und mit leichtem Beutel.
In der Einsamkeit der heimischen Wälder begann er sich, in Erinnerung der glänzenden Tage, ein petit Versaille aufzubauen, aber ehe noch der Bau vollendet war, rief ihn der Tod ab und sein Erbe, der sich genötigt sah, den größten Teil der alten Herrschaft zu verkaufen, ließ von einfachen Handwerkern den Bau vollenden; denn schon erklang der Kriegslärm des großen Korsen auch in die Einsamkeit der russisch-deutschen Gebiete.
Ein Stückwerk, mit feinem Kunstsinn begonnen, von ungeschickten Händen vollendet, blieb Schloß Lochowo.
Im Sommer freilich, wenn die Kletterrosen, die sich daran emporrankten, in Blüte standen, die schlanken Türme vom Sonnengold umflossen in die blaue Luft ragten, bot es einen Anblick, der wohl ein Malerauge entzücken konnte. —
Herr Marcel von Leninski, der von seinen Ahnen das leichte Blut und die sanguinische Lebensanschauung geerbt hatte, mühte sich redlich, sich und den Seinen den letzten Rest der alten Herrlichkeit zu erhalten.
Frau Halinka, seine Lebensgefährtin, machte es ihm freilich oft schwer genug. In ihrer Jugend einst eine große Schönheit, hatte sie ein Jahr ihrer Mädchenzeit in Paris verbracht und dann, froh, ein standesgemäßes Unterkommen zu finden, ihren alten Verehrer und derzeitigen Gatten geheiratet.
Herr Marcel hatte weder die Schönheit, noch den sprühenden Geist seines glänzenden Ahnherrn geerbt, er bewunderte seine schöne Gattin aufrichtig und that so viel für ihre Luxusbedürfnisse, wie es seine Mittel irgend erlaubten. Aber Frau Halinka konnte das Jahr in Paris, das Jahr ihrer Triumphe nicht vergessen, sie war fest überzeugt, sich herabgelassen zu haben, indem sie Frau von Leninska wurde.