Immer und immer erzählte sie von dem einen glänzenden Jahre, anfangs imponierte sie ihrem einfachen, gutmütigen Manne, aber die Jahre verwischten die Eindrücke, jetzt geschah es mit wiederkehrender Regelmäßigkeit, daß der gute Marcel bei den Erzählungen in sanften Schlummer fiel.
Kasia, die jüngste Tochter, dagegen lauschte mit fiebernder Aufmerksamkeit den mütterlichen Erzählungen, sie kannte kein größeres Vergnügen, immer wieder war sie es, die die Mutter zu neuen Berichten anregte. Dann saß sie da, die dunklen Augen strahlten, die feinen Lippen leicht geöffnet, jeder Nerv an ihr lebte, es prickelte und zuckte in ihren Gliedern, sie war mitten drin in dem rauschenden Leben. Sie lachte, weinte, tollte, kokettierte und heißer kreiste das leichte Blut der Vorfahren in ihren Adern.
Frau Halinka erzählte, hingerissen durch der Tochter Begeisterung immer mehr und Herr von Leninski schüttelte manchmal vom Schlaf erwachend das Haupt, wenn er hörte, daß die stolze Herzogin von M. seiner Frau gesagt, sie wäre die Blume der Blumen, und daß Graf Armand de St. ihr sein Herz und seine Millionen zu Füßen gelegt, hatte er noch gar nicht gewußt. Ein leises, verschmitztes Lächeln trat auf seine Lippen — Du lieber Himmel, die Zeit verwischt die Erinnerungen! —
Wladislaw, der einzige Sohn und Erbe, hatte es vorgezogen, in österreichische Dienste zu treten, er stand in einer kleinen böhmischen Garnison als Oberleutnant, seine Briefe bildeten der Mutter Entzücken und des Vaters Sorgen, denn mit absoluter Sicherheit kehrte darin stets die Wendung wieder, »ich brauche Geld.«
Still und sanft waltete noch eine andere im Hause, Maria, die älteste der Schwestern, sie war es, die den Haushalt in Ordnung hielt.
»Unsere Maruszka ist unser guter Hausgeist,« pflegte Frau Halinka wohl anerkennend zu sagen, während ihre Blicke stolz an der lieblichen Erscheinung ihrer jüngeren Tochter hingen.
»Jusia kommt, Jusia kommt!«
Einen offenen Brief in der Hand stürmte Kasia wie ein Wirbelwind in das Boudoir der Mutter.
Frau Halinka las in einem neuen französischen Roman, während Maria Faden um Faden durch eine feine Stickerei zog.
Tief neigte jetzt Kasia den zierlichen Körper vor ihnen und sagte mit komischem Ernst: