»Meine Damen, gestatten Sie, daß ich Ihnen die freudige Mitteilung machen darf, daß Gräfin Jusia Potocka übermorgen Einzug in unser Schloß halten wird!«
»Wildfang.« Frau Halinka lächelte nachsichtig, während auf ihr stark verblühtes Gesicht ein freudiger Ausdruck trat. »In der That, ich muß gestehen, eine ganz angenehme Abwechslung, dieser überraschende Besuch der Komtesse.«
»Wundervoll, unbeschreiblich schön!« jubelte Kasia. »Ach, Mama, was wird uns Jusia alles erzählen können, bedenke doch, wie viel sie gesehen hat, seit wir vor zwei Jahren das Kloster verließen; Nizza, Rom, Paris, das himmlische Paris, ach, ich beneide sie, die Glückliche!«
»Nur nicht gar so enthusiasmiert, ma petite, ich war auch in Paris und wer weiß, ob Komtesse Jusia eine so vorzügliche Kennerin des pariser Lebens ist, wie ich es war. Ob sie den Esprit und die Eleganz besitzt, es so zu erfassen wie ich, nun wir werden ja sehen, jedenfalls ist es auch mir angenehm, einmal wieder von meinem Paris reden zu können.«
»Übrigens Maria, hast Du in mein neues Cape auch die Etiquette von Bon marché eingenäht? Es ist mir lieber, wenn Gräfin Jusia sieht, daß wir einen Teil unserer Toiletten aus Paris beziehen.«
»Aber Mama!« vorwurfsvoll erhob die Angeredete ihre ernsten, dunklen Augen zur Mutter.
»Schweig, Maria, ich weiß, was ich uns schuldig bin, triff lieber die Vorbereitungen für unseren Gast!«
Still verließ diese das Zimmer, die Lippen fest aufeinander gepreßt, als wolle sie die Worte zurückdrängen. Ach, wie sie sich schämte über die thörichte Eitelkeit der Mutter, die immer und immer wieder die Etiquettes der pariser Firmen, die noch von den Toiletten aus den ersten Jahren ihrer Ehe stammten, heraustrennen und in die neuen, in der Kreisstadt gekauften Sachen nähen ließ.
Mit müdem Schritt erstieg Maria die Treppe zu dem oberen Stockwerk, sich überlegend, welche Zimmer sie dem jungen Gast geben sollte. Es gab deren genug in dem weiten Bau, aber die wenigsten waren möbliert, Stückwerk der Bau, Stückwerk die Einrichtung. Kostbare Empire- und Rokokomöbel, die fehlenden Stücke durch einfache, vom Tischler gefertigte Sachen ersetzt.