»Erzählen Sie mir doch etwas von Ihrem Leben, Sie sind gewiß viel in der Welt herum gekommen und haben mancherlei erlebt?«
»Wie Sie befehlen, gnädiges Fräulein,« sagt Michael mit einer steifen Verbeugung und ärgert sich selbst über die Unbeholfenheit, mit der er ihrer freundlichen Güte entgegen kommt; er kann doch aber nicht rufen, wie es in seinem Innern klingt: ›Alles, alles will ich thun, nur laß mich Dich anschauen immerdar‹.
»Ich befehle doch nicht, ich bitte nur und will Sie durchaus nicht quälen, wenn Sie nicht gern sprechen,« erwidert sie mit halbem Lächeln.
»Oh gewiß gern!« stammelt Michael und beginnt nun von seinen Wanderfahrten zu berichten, er spricht von dem Dorf auf dem Sande, von Vater Abraham, von Tabea, da stockt seine Stimme und ein warmes Rot steigt in seine Wangen.
»Welch' altmodischer Name, wer ist Tabea?«
»Seine Braut!« ruft da Benjamin aus dem Hintergrunde hervor und zugleich kam er wieder näher. »Seine Braut, gnädige Komtesse, meine Schwester, verzeihen Sie, ich scheine das Unglück zu haben, Sie immer zu erschrecken, wirklich, ich bedaure es tief; doch das Gewitter scheint nachgelassen zu haben, soll ich wohl Jens, unseren dienstbaren Geist, beordern, daß für gnädiges Fräulein ein Wagen vom Schloß geschickt wird?«
»Danke, ich gehe,« Jusia Potocka war aufgesprungen, ein hochmütiger Blick streifte Benjamin, dann reichte sie Michael die Hand, die dieser ehrerbietig an die Lippen führte. »Ich sehe Sie wieder, Sie müssen mir von Ihrer Braut erzählen und Dank für Ihren Schutz.« Das weiße Kleid leicht emporraffend, schritt sie durch den blühenden Garten der Straße zu.
»Als Fee Dobrinka die Hütte verließ, da war das Licht erloschen,« ging das Märchen weiter.
Michael stand und sah sehnsüchtig der weißen Gestalt nach, ach, hatte sie nicht alles Licht mit fortgenommen! Schwer legte sich eine Hand auf die Schulter des Sinnenden: »Michael hüte Dich,« raunt ihm Benjamin zu, »hüte Dich vor diesem blonden Weib, sie spielt mit Dir und sieht doch nur den Bauernbursch in Dir, denk' an unser Werk, an Tabea, hüte Dich.«
Da riß sich Michael los: »Laß' mich, ich bin kein Kind, kein Wortbrüchiger, und Du solltest Dich eher schämen, unseren Gast, eine Dame, die schutzsuchend unser Haus betritt, so zu verletzen.«