»Jo vo un basin d'amore Fidelin

klingt es zu ihm herüber, die weichen Laute der fremden Sprache umkosen ihn wie Schmeichelworte. Mit Zauberfäden zieht es ihn näher, immer näher, Schritt für Schritt, bis er an der kleinen Bucht steht und mit heißen Augen auf Jusia Potocka sieht.

Diese stößt einen leisen Schrei aus, da die dunkle Gestalt neben ihr auftaucht.

»Verzeihung, gnädigstes Fräulein, daß ich Sie erschreckt habe, der Gesang zog mich an,« stammelt Michael sich fast demütig verneigend, seine Stimme bebt dabei, seine Augen sehen mit flehender Bewunderung zu dem schönen Mädchen nieder und Jusia lächelt, durch den Sinn zieht ihr der Gedanke:

»Wie gerufen kommt er, mir die Langeweile dieser Stunde zu vertreiben.«

»Sie sollen Verzeihung erlangen, wenn Sie mich an das jenseitige Ufer rudern wollen, immer am Schilf entlang, es sollen da noch Wasserrosen blühen, die möchte ich haben!«

Nicht eine Sekunde zögert Michael, er denkt nicht an sein Mühen, die blonde Gräfin zu vergessen, an all' die heißen, unruhigen Tage, er sieht nur das holde Gesicht, hört die süße, weiche Stimme und ist vollständig in Jusias Bann.

So fährt er sie hinaus auf das stille, graue Wasser. — Es ist einer jener trüben, sonnenlosen Spätsommertage, die Vorboten des kommenden Herbstes; eine endlose graue Fläche, spannt sich der Himmel über die Erde; der Horizont verschwimmt in demselben eintönigen Grau.

Regungslos stehen die hohen Ulmen, die tief sich neigenden Trauereschen, keine flimmernden Lichter zucken golden über sie hin, all' die leuchtenden, glühenden Farben des Sommers sind ertrunken in dem schweren, eintönigen Grau. Kein Laut auch unterbricht die Stille ringsum, nur manchmal wird der klagende Schrei eines Wasservogels hörbar, ein Fischreiher streicht, nach Beute spähend, über das Wasser hin und leise rauscht das Schilf, an dem der Kahn entlang gleitet.

»Erzählen Sie mir mehr von ihrem Leben, von Ihrer Braut,« unterbricht Jusia Potocka das Schweigen, sie neigt sich vor und sieht prüfend in das schöne Männergesicht mit dem schwermütigen Zug darin. »Sagen Sie mir, wie sieht Ihre Braut aus, ist sie hübsch, woher hat denn sie den seltsamen Namen Tabea?«