Michael schweigt, er will antworten, aber er kann nicht, die Kehle ist ihm wie zugeschnürt. Tabea! er soll von Tabea reden, er muß sich beinahe besinnen, wo er den Namen gehört hat, alles ist vergessen in der Minute, da ihn Gräfin Jusia rief und er sieht nur immer sie, sie allein. Tabea! der Name klingt wie fernes Meeresrauschen und das Meer ist so weit, so weit!
Er bleibt die Antwort schuldig und sieht die Fragerin nur an mit seinen ernsten Augen, so flehend, so um Liebe heischend, daß ein banges Gefühl Jusia überschleicht.
Soll sie das Spiel, das sie so leichtherzig begann, nicht lieber enden, soll sie nicht umkehren?
Es ist ein gefährliches, aber für sie köstliches Spiel, es reizt sie, diesen Mann, der so gar nicht mit ihren bisherigen Bewunderern zu vergleichen ist, in ihrem Banne zu sehen, mag es lächerlich, mag es absurd erscheinen, so wie dieser blonde Schwärmer hat ihr noch keiner gefallen.
Sie schlägt mit einer kleinen Gerte auf das Wasser, daß die hellen Tropfen ihr ins Gesicht spritzen, soll sie zurück, soll sie weiter fahren, allein mit ihm? Sie sieht ihn von der Seite an, er hat die Ruder eingezogen und sitzt in müder Haltung still da, als fühle er ihren Blick, wendet er sich ihr zu, ihre Augen kreuzen sich und ruhen sekundenlang ineinander, dann sagt Jusia Potocka mit leisem Lachen:
»Ach, sehen Sie dort, da sind noch Wasserrosen, ach, schnell fahren Sie hin, ich möchte welche haben,« sie streckt verlangend die weißen Hände nach den Blumen aus und Michael treibt den Kahn mit einigen raschen Ruderschlägen näher und zieht die weißen Blüten, an ihren langen, schlüpfrigen Stengeln, aus dem Wasser und legt sie zu Jusias Füßen nieder, die sie ineinander schlingt und sie sich wie eine weiße Krone aufs Haupt setzt. »Sehen Sie mich an, Herr Wisniewski, sehe ich nun nicht aus, wie eine Wasserfrau?«
Schwermütig schüttelt er das Haupt: »Oh nein, Komtesse, oh nein, nicht wie eine Nixe, die sind schlecht, und locken uns arme, thörichte Menschen in Leid und Tod. Sie gleichen eher einer« — er bricht stockend ab und wendet den Blick von ihr.
»Wie sehe ich eher aus, schnell, das müssen Sie mir sagen, sonst werde ich böse, oder ist es so wenig schmeichelhaft für mich, daß Sie es nicht sagen können?«
»Es ist keine Schmeichelei, es ist Wahrheit; Sie gleichen einer holden, gütigen Fee, zu gut, zu schön und — unerreichbar für uns Menschen,« sagt Michael, und die letzten Worte ersterben in einem Flüstern.
»Legen Sie dort an, sehen Sie, da ist eine Einfahrt, ich möchte ein Stück dort entlang gehen,« ruft Jusia fast befehlend statt jeder anderen Antwort, und wieder gehorcht Michael willenlos ihrem Wunsch, bald darauf fährt der Kahn in die schmale Bucht ein und leichtfüßig springt Jusia ans Land.