Immer dichter waren die grauen Wolkenschleier auf die Landschaft herniedergesunken, sie hatten das jenseitige Ufer mit dem Schloß umhüllt, die Baumgruppen waren untergetaucht in dem grauen Nebel, es schien, als ginge der See in unermeßliche Weiten, als gäbe es keine Ufer, keine Häuser, keine Bäume, nichts als graues, trübes Wasser. Leise begann jetzt ein feiner Regen herniederzurieseln, der aber die beiden Wanderer, die unter den dichten Trauereschen am Ufer dahingingen, nicht traf.

»Sehen Sie, es regnet, auf dem Wasser sieht man es, wie fatal! Ob es wohl lange dauert?«

Jusia streckte bei diesen Worten die weiße Hand unter dem schützenden Blätterdach hervor, um die fallenden Tropfen zu spüren.

»Es wird Landregen, der vergeht nicht so schnell, es ist ein treuer Geselle,« sagt Michael.

»Dann wollen wir rasch umkehren, es hat ja keinen Zweck, zu warten, schade, daß wir unseren Gang nicht weiter ausdehnen konnten,« die Gräfin wandte sich, um nach der Bucht zurückzukehren; vorsichtig, so viel wie möglich die Nässe meidend, setzte sie den Fuß auf einen glatten Stein, der aber unter dem Druck nachgab, sie glitt aus und wäre gefallen, wenn Michael sie nicht in seinen Armen aufgefangen hätte.

Zum zweitenmal hielt er das schöne Mädchen umfangen, ihr weiches, schimmerndes Haar streifte seine Wange, er fühlte, wie ein leises Beben ihre Gestalt durchlief; da vergaß er alles, seine Braut, das stille Dorf auf dem Sande, vergaß seine Ehre, seinen Stand, alles, alles, er sah nur das schöne, lebensvolle Weib, das er in seinen Armen hielt. Da riß es ihn fort, wie ein toller, wahnsinniger Rausch durchdrang es ihn, fester umschlang er sie und dann küßte er sie, küßte sie auf die roten Lippen, auf das flimmernde Haar, er küßte die geschlossenen Augen und dazwischen stammelte er heiße, bethörende Liebesworte.

Jusia erzitterte unter der Leidenschaft des Mannes, die wie ein Sturm über sie hinbrauste, dennoch machte sie keinen Versuch, sich aus den sie umschlingenden Armen zu befreien, sie schmiegte sich fester an seine Schulter, schloß die Augen wie in seliger Betäubung.

Einmal kam ihr der Gedanke: »Schade, daß er nicht Kasimir Sucholski ist, und wenn Tante Amélie mich sehe,« da mußte sie lächeln, und Michael küßte sie auf die lächelnden Lippen und flüsterte:

»Oh, Du Hohe, Du Geliebte, meine Königin, mein Glück, ich liebe Dich, ich liebe Dich.« —