Noch immer herrschte eine schwüle Stimmung auf Lochowo, Frau von Leninska ging herum mit der Miene einer trauernden Niobe, sie hüllte sich gegen Maria und gegen ihren Gatten, der zu ihrer Empörung ordentlich zärtlich zu ersterer war, in eisiges Schweigen; nur gegen Jusia und Kasia war sie milde. Selten wohnte sie den Mahlzeiten bei, sie lag in ihrem Boudoir, eine Schale Konfekt neben sich, und studierte die neuen Modezeitungen, neben diesen aber lag offen ihr Gebetbuch und ihr Rosenkranz und sobald ihr Gatte oder Maria das Zimmer betraten, griff sie danach.

Müde ließ sie soeben das Journal, in dem sie gelesen hatte, sinken, im Grunde war es doch recht ermüdend, eine sorgende Mutter zu sein, da öffnete sich vorsichtig die Thüre und Kasia trat über die Schwelle.

»Ach Du bist es, mein Seelchen, sage, ist der Propst noch nicht gekommen?«

»Nein, Mama, er wird aber wohl bald erscheinen.«

»Ach, käme er doch nur, daß mein armes, bangendes Herz Ruhe fände, oh meine Nerven!« stöhnte Frau Halinka.

»Soll der Propst mit Maria sprechen, Mama? Ich fürchte auch, er wird keinen Einfluß haben, Maria ist furchtbar eigensinnig, auf meine Vorstellungen hat sie mir nur erwidert, ich verstände nicht, was Liebe ist, allerdings! diese Liebe verstehe ich nicht,« sagte Kasia, hochmütig das hübsche Köpfchen hebend.

»Gott sei es geklagt, Marias Eigensinn macht mich krank, sage, mein Liebling, wie nimmt Gräfin Jusia die Sache auf, ich vermied bisher ein Gespräch mit ihr darüber, ist sie nicht empört, wie es all' unsere Freunde sein würden?«

»Empört, oh nein,« etwas zögernd kam die Antwort von Kasias Lippen; »Mama, ich muß es Dir sagen, ich bin eigentlich etwas indigniert über die Art, wie Jusia den Fall auffaßt, denke nur, sie findet es gar nicht schlimm, einen Bürgerlichen zu heiraten; sie sagt so ungefähr: ›das Geld wiegt den Adel auf‹, ich glaube beinahe, sie würde einen Bürgerlichen heiraten, wenn er nur reich wäre!«

»Ja, mein Kind, das ist etwas anderes, leider, leider sind die Zeiten vorüber, wo der Adel die einzige Macht war, heute teilt er sich mit der Macht des Geldes, aber dieser Dr. Werner ist ja nicht einmal reich, ja, könnte er Maria ein standesgemäßes Leben bieten, ach, für das Glück meines Kindes wollte ich mich demütigen, ich bin ja so selbstlos, lebe nur für Euch, bringe mich selbst zum Opfer, ach!«