»Mama, ich glaube, Propst Ryback ist gekommen,« unterbrach Kasia die Redende, froh, daß sie das Gespräch beenden konnte, denn sie wußte, wenn die Mama einmal begann, von sich und ihrer Aufopferung zu sprechen, kam sie so bald nicht zu Ende.

»Der Propst, ach, es ist mir wirklich ein Trost,« und rasch ergriff Frau Halinka das Gebetbuch und sah erst auf, als Propst Ryback vor ihr stand.

»Oh, mein teurer Freund, gut, daß Sie kommen, mir armen Frau Trost zu bringen,« rief sie, des Geistlichen Hand erfassend, und nun folgte die ganze Leidensgeschichte, unaufhaltsam floß der Strom ihrer Rede dahin und schweigend hörte der Propst ihr zu.

»Darf ich Maria sprechen, gnädige Frau?« sagte er statt jeder Antwort.

»Gewiß, oh gewiß, das ist es ja, was ich wünsche, auf Sie, ihren alten Lehrer und Beichtvater, wird mein irregeleitetes Kind vielleicht eher hören, wie auf die Stimme der sorgenden Mutter, ich werde sie rufen lassen.«

»Bitte, nein!« Der Propst zog Frau Halinkas Hand von der Klingel fort. »Ich werde zu ihr gehen, es ist besser, ich spreche allein zu ihr, ich komme nachher und erstatte Ihnen Bericht, bis dahin Gott befohlen, ich werde Maria schon finden.«

Mit diesen Worten verließ er das Zimmer, eine Erwiderung Frau Halinkas gar nicht abwartend.

»Unerhört eigentlich, diese Art, einfach meinen Wunsch unbeachtet zu lassen, der gute Propst scheint seine Stellung etwas zu vergessen, aber daran ist wieder Marcel schuld, der versteht auch nicht im Geringsten, seine Würde als Patronatsherr zu betonen, ich muß ihm wirklich einige Vorstellungen darüber machen.« —

Propst Ryback brauchte nicht lange nach seinem Beichtkind zu suchen, in ihrem Zimmer fand er sie, unthätig am Fenster sitzend und mit versonnenen Augen in die Ferne schauend.

Langsam stieg ihr ein feines Rot in die Wangen, als sie den Geistlichen erblickte.