»Gelobt sei Jesus Christus,« sagte er, ihr segnend die Hand auf das dunkle Haar legend.
»In Ewigkeit, Amen,« erwidert sie, ihm ehrerbietig die Hand küssend.
»Du wirst ahnen, warum ich komme, Maria?« frug er.
Er nannte sie, die er getauft und in die Lehre der heiligen Kirche eingeführt hatte, noch Maria und Du, auf ihren besonderen Wunsch war es so geblieben.
»Ja, Hochwürden, ich weiß es, ich weiß auch, daß Sie im Auftrag meiner Mutter kommen, aber ich will es Ihnen gleich sagen, daß Sie vergebens kommen. Sie, Hochwürden, wissen ja, wie ich gerungen habe gegen diese Liebe, wie ich still mein Leid getragen habe, aber nun ist mein Glück gekommen und ich will es halten. Sagen Sie nichts von Religionsunterschied, von Standesvorurteil,« fuhr sie beinahe heftig fort, so daß der Priester erstaunt auf sie sah. War das die stille ergebene Maria, die da sprach mit glühenden Wangen und strahlenden Augen? »Mein Gott weiß es, wie ich gekämpft habe gegen diese Liebe, nicht einmal, hundertmal habe ich es mir gesagt, Du darfst Dich dem Gefühl nicht hingeben, darfst diese thörichte Hoffnung nicht hegen, er hat Dich längst vergessen, aber immer wieder übertönte die Sehnsucht alles, und als er vor wenig Tagen vor mir stand, da wußte ich es, diese Liebe kann nicht sterben, sie ist ein Teil meines Selbst, sie ist mein Leben! Meine Mutter und Schwester widerstreben mir, sie sehen nur den bürgerlichen Mann, nicht sein großes, gütiges Herz, sie schelten mich, verdammen mich und heißen meine Liebe ein Unrecht. Sie haben es mich gelehrt, die heilige Schrift sagt es uns, daß die Liebe von Gott kommt, kann sie da ein Unrecht sein? Nein, Hochwürden, nein, meine Liebe ist keine Sünde, was zwischen uns steht, ist Menschenwort, Gott, der über uns Allen ist, an den wir glauben, wie wir uns auch nennen, ob Katholiken, ob Protestanten, ist ein Gott der Liebe, der nicht zürnt, wenn wir die Liebe im Herzen tragen. Was hilft es dagegen zu kämpfen, leugnen läßt sich die Liebe nicht, sie bleibt doch Siegerin. Meinem Glauben werde ich treu bleiben, wie er dem seinen, meinem Glauben, aber auch meiner Liebe, denn ich liebe ihn mit der Liebe, die alles trägt, alles duldet, mag Sorge und Leid unser Los sein, mag eine Welt sich zwischen uns stellen, er ist mein Glück und meine Liebe ist unwandelbar!«
Maria schwieg, feines Rot lag auf ihren Wangen, die Augen strahlten und ein Ausdruck von Begeisterung verklärte ihr Gesicht förmlich.
Unverwandt sah der Propst auf das Mädchen, er wollte sprechen in Frau Halinkas Namen, aber die Kehle war ihm wie zugeschnürt, aus dem Nebel der Vergangenheit löste sich ein Bild, er sah vor sich ein schlichtes Mädchen aus dem Volk, die ihm alles gegeben hatte, ihre Liebe, ihre Ehre, und er sagte ihr, er müsse scheiden von ihr, um der Welt, um seines Gelöbnisses Willen, da hatte sie demütig gesagt: »Ich will aus Deinem Leben gehen, aber meine Liebe kann erst mit mir sterben, sie ist unwandelbar.« Vor wenig Stunden hatte der Sohn jenes Weibes ihm zugerufen: »Die Liebe läßt sich nicht leugnen,« hatte er recht?
Totenstille herrschte im Zimmer, Propst Ryback hatte die Hand über die Augen gelegt, er war beinahe zusammen gesunken auf seinem Stuhl und Maria stand und sah mit strahlenden Augen, mit lächelnden Lippen hinüber nach dem leuchtenden See, er verwandelte sich vor ihren Blicken in einen breiten Fluß, sie sah prächtige Kuppeln, schimmernde Häuser sich in ihm spiegeln, sie saß im Schiff mit ihm, dem Geliebten, Hand in Hand.
Eine dicke Fliege flog summend im Zimmer umher, sie stieß mit dem Kopf an die Fensterscheiben, sie wollte hinaus in den Sonnenschein, in die Freiheit.