Die weiten Säle von Schloß Lochowo hallten wider von Kasias lustigem Lachen und Singen, vergessen war der Ärger und die Empörung der letzten Tage, eitel Sonnenschein lag auf ihrem Gesicht, sie trällerte und zwitscherte wie ein Vogel, war ausnahmsweise liebenswürdig gegen die Dienstboten und fand sogar für Maria ein freundliches Wort. Auch Frau Halinka hatte sich von ihrem Leidenslager erhoben, hatte mit wehmütigem Blick die Trösterinnen ihrer sorgenvollen Stunden, Modenzeitung, Gebetbuch und Konfektschachtel, ad acta gelegt und hatte es für gut befunden, Herrn Marcel eine huldreiche Miene zu zeigen. All diese welterschütternden Veränderungen hatte der Hausherr mit der einfachen Frage veranlaßt, wann das geplante Sommerfest stattfinden sollte und ob die Damen Wünsche dazu hätten, er führe nach der Kreisstadt und sollte es ihm ein Vergnügen sein, alle Kommissionen zu erledigen. Frau Halinka fand danach das erste freundliche Lächeln seit langem für ihren Gatten; Kasia jubelte laut auf und umarmte stürmisch ihren einzig geliebten Herzenspapa, auch Gräfin Jusia wurde sichtlich lebhafter, als sie es seit einigen Tagen gewesen und Maria — sie ging still hinaus und dachte: »Armer, lieber, schwacher Vater, wie schwer mußt Du ringen um den Frieden im Haus.«
Der Kommissionszettel wurde lang, sehr lang und das Gesicht Herrn von Leninskis nicht kürzer; der Seufzer, mit dem er seinen Wagen zu der bewußten Fahrt bestieg, war auch lang, er endete eigentlich erst, als er in der Kreisstadt angelangt, das Haus von Samuel Schmuhl verlassen hatte und seine Brieftasche eine Anzahl blauer Scheine aufwies. Den Gedanken, wie verschwindend wenig ihm noch von dem letzten Ernteertrag blieb, spülte er bei Roman Przybilski mit einem Schoppen Ungarwein hinweg.
»Sag doch, Jusia, findest Du wirklich, daß dieses matte Rosa vorteilhaft für mich ist, sag' es doch bitte aufrichtig, Mama ist ja entzückt davon, ich möchte aber doch Dein Urteil hören?«
»Reizend, Hülle wie Kern,« bestätigte Jusia mit zerstreutem Blick, Kasias zierliches Persönchen musternd, das wie eine Bachstelze hin und her wippte.
»Ach Jusia, weißt Du, ich wünschte, dieses Fest bedeutete eine Wandlung in meinem Leben, aber dazu ist wohl keine Aussicht.«
»Ach so, eine Wandlung mit Trauring und Namensänderung, Hochzeitsreise nach Paris u. s. w., ich verstehe.«
»Nein, Jusia, Du bist unheimlich klug,« lachte Kasia halb verlegen, »aber Recht hast Du und ein Unrecht ist dieser Wunsch ja nicht, ach, wenn doch ein furchtbar reicher, furchtbar schöner, —«