»Furchtbar vornehmer Mann käme und klein Kasia mit sich nähme,« unterbrach Jusia sie lachend. »O Du einfältiges, anspruchsvolles Kind, reich, schön, vornehm und alles in erhöhtem Maßstabe, nein, da bin ich doch bescheidener, ich begnüge mich mit furchtbarem Reichtum und nehme sogar furchtbare Dummheit in den Kauf, die ist angenehmer wie Schönheit, denn schöne Männer sind noch eitler wie schöne Frauen und beide Teile eitel, verträgt sich nicht gut zusammen.«
»Nein, Jusia, höre auf; Du bist gräßlich, wenn Du so anfängst, sage mir lieber, welche Blumen ich nehmen soll, ich will hübsch sein; Jemand ist doch da, für den es sich vielleicht lohnte, Du weißt, daß Graf Sucholski zugesagt hat, schön ist er ja nicht, eher häßlich und alt, aber reich und vornehm, Mama sagt, das wären genügende Vorteile.«
Kasia tritt vor den Spiegel und hält eine noch nicht voll erblühte Theerose an ihr braunes Haar, sie sieht nicht den halb spöttischen, halb ärgerlichen Blick der Freundin.
»Eine Konkurrentin also und mir scheint, keine zu unterschätzende,« murmelt diese, dann tritt sie hinter die am Spiegel stehende und vergleicht sorgsam die beiden Gesichter und sagt ruhig: »Die weiße Rose steht Dir nicht, nimm lieber ein etwas kräftigeres Rosa, aber nun muß ich einmal nach meiner eigenen Toilette sehen, addio, Kleine, verliebe Dich nicht in Dein eigenes Spiegelbild! Aber was ich noch fragen wollte, wird Marias Verlobter zugegen sein und wird das Brautpaar vorgestellt werden?«
»Um Himmelswillen, Jusia, was denkst Du, das ist doch einfach unmöglich, es wäre geradezu ein Skandal, nein, diese Überraschung können wir unseren Gästen nicht bereiten, zumal die Sucholskis denken in dieser Beziehung so streng. Mir vergeht gleich alle Freude, wenn von der unseligen Sache gesprochen wird, ich hoffe immer noch, Maria besinnt sich, aber nun hat sie ja noch einen Bundesgenossen, ich finde es unbegreiflich von Propst Ryback, für Maria zu sprechen, noch der Mama zuzureden, in diese romantische Heirat zu willigen, ich würde lachen, wenn ich mich nicht so ärgern müßte.«
»Rege Dich nur nicht auf, mein Herz,« sagte Jusia, »ich wollte es nur wissen,« und während sie den Korridor nach ihrem Zimmer entlang geht, denkt sie: »Ein interessanter Gesprächsstoff, um die Unterhaltung mit Graf Kasimir zu beginnen.«
Lange steht sie dann vor ihrem Spiegel und prüft nachdenklich ihre Erscheinung, ein weißes Seidenkleid umschließt in tadellosem Sitz ihre schlanke Gestalt, es ist ein schönes Bild, das ihr entgegenstrahlt, aber vor ihrem geistigen Auge taucht ein anderes daneben auf, das einen häßlichen Schatten wirft. Sie starrt in den Spiegel und eine feine Falte gräbt sich in ihre weiße Stirn.
»Es ist zum wahnsinnig werden,« murmelt sie, »immer dieselben thörichten Gedanken, immer das häßliche Bild, fort, fort damit, ich will nicht mehr an die Stunde im Kahn erinnert sein, ich will nicht! Oh, wenn Tante Amélie dies erführe oder die Leninskis, Prinz Sergei und all die Anderen, Gräfin Jusia Potocka, die Stolze, die Kalte, läßt sich von einem etwas verfeinerten Bauernburschen küssen, nur weil er zufällig zur rechten Zeit kommt, die Langweile einer Stunde zu verscheuchen! Pfui, wie häßlich, Jusia, woran dachtest Du, als Du in des blonden Propheten Armen lagst? Es wird Zeit, daß ich fortkomme, die Einsamkeit ruft diese verrückten Gedanken hervor; ja, fort, fort, dann werden auch diese Bilder schwinden, ich hasse mich selbst, hörst Du es, Jusia Potocka, ich hasse Dich, könnte Dich erwürgen vor Wut über Deine unglaubliche Thorheit; wenn doch der Mensch wer weiß wo wäre und mir nicht gerade bei jeder Gelegenheit begegnete, ich glaube, es geschieht noch mit Absicht! Wie er mich anschmachtet, es ist zum lachen, eine richtige Fastnachtskomödie, ich glaube gar, er denkt, es giebt nun eine fröhliche Hochzeit, ich ziehe als Prophetenfrau mit in sein Häuschen hinter den Malven, bete, koche Suppe etc. und bin hochbeglückt. Ha, ha! Ja, lache nur, dumme, einfältige Jusia, oder weine lieber über Deine Thorheit,« sie stampfte mit dem Fuße auf und ballte die weißen Hände gegen den Spiegel: »Pfui, wie häßlich, wie kindisch, wie lächerlich hast Du Dich benommen, oh, wäre ich nur erst fort, weit fort von hier!« —
Gräfin Jusia hatte Recht, Michael suchte mit Absicht jede Begegnung herbei, er streifte in der Nähe von Schloß Lochowo umher, er spähte über die Mauer des Parkes, harrte stundenlang an der kleinen Bucht am See, saß träumend unter den hängenden Eschen, immer in der stillen Hoffnung, Du wirst sie sehen, sie wird Dich anlächeln, wie auf jener einsamen Fahrt.
Wohl begegnete er ihr, aber nie allein, entweder schritt sie mit Kasia von Leninska in munterem Geplauder einher oder sie fuhr an ihm vorüber, aber nie traf ihn ihr Blick, ihre Augen schweiften über ihn hinweg, als hätte es nie einen Augenblick gegeben, in dem sie in seinen Armen geruht. Mit hochmütiger Kälte erwiderte sie seinen Gruß, sie sah nicht das stumme Flehen, das heiße Werben in seinen Blicken. In dem Manne aber loderte der Brand, den sie entfacht hatte, hell auf. Er kämpfte einen verzweifelten Kampf mit seinem Stolz, seiner Leidenschaft und der mahnenden Stimme seines Gewisses.