»Mich schlagen, mich, der Ketzer,« mit einem Wutschrei raffte sich der Bursche auf, blitzschnell hatte er sein Messer gezogen und stieß im blinden Zorn um sich.

Michael sah plötzlich das blitzende Messer vor sich, er fühlte einen Stoß und taumelte, seine Hände griffen nach der Brust, warm rieselte es an seinen Fingern nieder; ein Schwindel ergriff ihn, er sah alles vor sich in einem blutroten Nebel zerfließen, wie aus weiter, weiter Ferne hörte er Musik, mit einem dumpfen Ächzen brach er zusammen.

Sekundenlang standen die Leute wie erstarrt vor dem Geschehenen, bis eine Frau aufschrie: »Heilige Jungfrau, der Woicech hat ihn erstochen, holt den Pan Kommissar!«

Da kam Leben in die Menge, gellende Rufe der Frauen mischten sich mit dem Fluchen der Männer, jäh verstummte die Musik, Wolf Salomon stürzte händeringend hervor und rief: »Erstochen hat er ihn, oh der verfluchte Mörder, ich armer Mann, was wird der Pan Kommissar sagen, er schließt mir den Krug, ich bin ruiniert!«

Alles schrie aufgeregt durcheinander, alle Heiligen wurden angerufen, den Woicech, der mit blödem Lachen davon taumelte, trafen einige Püffe, die Weiber zeterten nach dem Pan Propst, die Männer nach dem Pan Kommissar; eine Frau lief schließlich, den Propst zu holen, einige andere folgten ihr, immerfort jammernd, als müßten sie der stillen Straße das Unheil verkünden.

Der Stellmacher beriet erst mit dem vollständig fassungslosen Salomon, ehe er sich gemächlich auf den Weg nach dem Schloß begab, vielleicht war der Pan Kommissar dort oder ein Wagen wurde nach ihm ausgesandt.

Keine Hand aber rührte sich, dem Todwunden zu helfen, er war ja nicht mehr einer der Ihrigen und »alles so lassen«, hatte doch der Pan Kommissar ausdrücklich gesagt, als der Frantizack Wakowiak sich erhängt hatte, »alles so lassen, nichts anrühren, bis das Gericht kommt«, so standen sie und blickten mit blöder Neugier auf den Mann nieder, dem langsam der rote Lebensstrom aus der Brust quoll.

Auf einmal verstummte die lebhafte Rede, ein verhaltenes Flüstern ging durch die Reihen und alle sahen gespannt auf die Dorfstraße, die entlang ein kleiner Trupp kam, der Propst in sichtlicher Hast voran, gefolgt von einigen weinenden Frauen.

Der Propst! Die Leute neigen sich demütig, als der Geistliche in ihren Kreis trat, der Krugwirt fing lauter an zu zetern und die trüb brennende Öllampe, die er herbei geholt hatte, schwankte bedenklich in seiner Hand. Das flackernde Licht fiel gerade auf das totenbleiche Gesicht des Geistlichen, scheu wichen die Menschen zurück, vor dem Sterbenden, der da auf dem Rasen lag, war ihr Reden nicht verstummt, aber vor dem Priester mit den gleichsam versteinten Zügen wurden sie stille.