Kein Laut, kein Schrei kam über des alten Mannes Lippen, da er nun in dem schwankenden Licht der Lampe, im Strahl des Mondes, den stillen blassen Mann erblickte, der in einer Lache roten Blutes lag. Er riß nur mit zitternden Fingern ein Tuch aus der Tasche und preßte es auf die Stelle, wo unaufhörlich das Blut hervorsickerte, dann umschlang er behutsam den Kopf des Verwundeten.

»Helft tragen,« sagte er rauh, »zu mir!«

Die Leute, die erst nicht die Hand gerührt, griffen nun rasch zu und trugen ihn die kurze Strecke bis nach der Protein.

Wenige Minuten später lag Michael auf dem Sopha im Studierzimmer, die Träger waren gegangen, einer war zum Arzt gefahren, die alte, unaufhörlich lamentierende Haushälterin hatte Propst Ryback hinausgeschickt, nun war er allein mit dem Sterbenden. Er hatte so gut er es vermochte, einen Verband um die Wunde gelegt, um das Blut zu stillen, denn ehe der Arzt kam, konnten Stunden vergehen; nun saß er regungslos, unverwandt auf das blasse Gesicht starrend.

»Nur nicht sterben, nicht sterben, oh Gott, laß ihn nicht sterben,« schrie es in seinem Inneren.

Draußen auf der Straße verstummte allgemach das Schreien, die schlürfenden Schritte seiner Haushälterin waren verhallt, nur manchmal bellte ein Hund auf, sonst unterbrach kein Laut die tiefe Stille umher.

Allein Vater und Sohn, mit beiden Händen umklammerte der Alte die wachsbleiche, schlaffe Hand des Jungen.

»Michael, stirb nicht, wach auf, höre mich doch, stirb nicht, mein Sohn, ach, stirb nicht, hörst Du mich, ach, stirb nicht!« In namenloser Angst flüsterte er es, keinen Blick von dem weißen Gesicht wendend, oh Gott, er atmete noch, noch war Leben in ihm.

»Oh Du barmherziger Gott, laß ihn nicht sterben, Michael stirb nicht so, sieh mich noch einmal an, noch einmal!«