Draußen rollte ein Wagen, der Propst fuhr auf, der Arzt, vielleicht kommt er schon, er rettet ihn noch, aber das Rollen verliert sich in der Ferne, wohl einer der Gäste vom Schloß, der vom Ball heimfährt.

Wieder eine vergebene Hoffnung, die Minuten verrinnen, sie werden zu Stunden, immer noch liegt Michael still und unbeweglich da, nur der leise, kaum merkbare Atem zeigt, daß noch Leben in ihm ist; immer angstvoller klingt das Flehen des Propstes. »Wach' auf, oh nur noch einmal, oh Michael vergieb!«

Vor den Augen des alten Mannes zieht sein ganzes Leben vorbei, sein Fehlen und sein Sühnen; aber hat er denn gesühnt? Nein, tausendmal nein, schreit es in ihm, ich habe nicht gesühnt, neue Schuld zu der alten gehäuft, den Sohn verleugnet, ihn hinausgetrieben, seinen Frieden gestört, seinen Glauben an die Menschheit erschüttert. Selbstgerecht bin ich gewesen, stolz auf mein Priestertum, oh und welch schlechter Priester!

»Die Liebe läßt sich nicht verleugnen, sie bleibt Siegerin,« er denkt an die Worte Marias, ja, er hat die Liebe leugnen wollen, sie aus seinen Herzen reißen. Thörichtes Unterfangen! In dieser Stunde fühlt er es, die Liebe läßt sich nicht leugnen und nun ihm die Einsicht kommt, ist es zu spät.

»Wach' auf, wach' auf,« fleht er von neuem, »nur einmal noch sage Vater zu mir! Oh Du allmächtiger Erbarmer da droben, laß ihn mir, nimm ihn nicht jetzt, wo ich sühnen möchte, nur kurze Zeit noch laß ihn mir, nur einen Tag, oh, nur eine Stunde, großer Gott, sei barmherzig!«

Glitt nicht ein Zucken über die Züge des Sterbenden, der Alte beugte sich spähend über ihn, täuschte ihn nur das Flackern des Lichtes, nein, wirklich der Atem ging rascher, die Lieder hoben sich ein wenig, tastend glitten die Hände über die Decke hin.

»Michael, wach' auf!«

Es war, als hätte der Schrei die fliehende Seele zurückgehalten, langsam öffnete Michael die Augen, mit leerem, fremdem Blick ruhten sie auf dem Geistlichen, der seine Hände krampfhaft umklammerte, mit versagender Stimme flüsterte: »Mein Sohn, vergieb, ach, vergieb!«