Wenige Tage nach dem Ball nahm Gräfin Jusia Abschied von Schloß Lochowo, sie folgte einer dringenden Einladung der Gräfin Wanda Sucholska, einer Tante des Grafen Kasimir, die in ihr die Tochter einer teuren Jugendfreundin gefunden hatte und sie nun gebeten, einige Wochen ihr Gast zu sein; viel hatte zu dieser Aufforderung Graf Kasimir beigetragen.

Frohlockend begrüßte Jusia die ersehnte Veränderung, den Anfang eines neuen Lebens. Der Abschied von der Misère des alten, dachte sie, da sie den Leninskis Lebewohl sagte. Ein wortreicher, thränenvoller Abschied; Jusia Potocka rühmte so viel, wie entzückend die Wochen ihres Aufenthaltes auf Lochowo gewesen sei, daß sie sie nie vergessen würde, daß Herr von Leninski in seiner Harmlosigkeit sich wunderte, warum sie da schon abfuhr, wenn es ihr doch so gut gefallen hätte.

Frau Halinka war sehr liebenswürdig, obgleich sie im Grunde wünschte, der Gast hätte nie ihre Schwelle betreten, denn in ihrer Absicht hatte es nicht gelegen, eine Verbindung Jusias mit Graf Sucholski zu fördern und so sagte sie in aufrichtigem Schmerz:

»Die heilige Jungfrau schütze Sie, mein teures Kind, und wenn Lochowo für Sie der Anfang eines Glückes bedeuten sollte, so seien Sie überzeugt, daß es niemand mehr freuen würde, wie mich.«

Maria gab der Scheidenden nur kühl die Hand, während Kasia unter strömenden Thränen mit in den Wagen stieg, für sie bedeutete der Abschied wieder der Anfang einer Zeit voll trostloser Langerweile, sie weinte so herzbrechend, daß Jusia flüchtiges Mitleid fühlte.

»Sei ruhig, Kleine,« sagte sie, »ich verspreche Dir, ich lade Dich auf einige Zeit zu mir, wenn — ich erst am Ziel bin, vielleicht nächsten Frühling nach Nizza, wenn Du nicht vorziehst, zu Deiner Schwester, der Frau Doktorin nach Dingsda zu reisen und Dich an dem Glück in der Hütte zu erfreuen.«

»Oh pfui, Jusia,« halb lachend, halb weinend rief es Kasia, »spotte nicht über unser Unglück, oh, wäre ich an Marias Stelle gewesen, nie hätte ich ja gesagt, ich begreife auch nicht, daß die Eltern nun doch ihre Zustimmung gegeben haben.«

»Ach, Kleine, ereifre Dich doch nicht, jeder nach seinem Geschmack, laß doch Deiner Schwester ihr kleines Glück, es muß auch Menschen geben, die sich einbilden, ohne die sogenannte Liebe nicht leben zu können.«