Kalt und streng, beinahe nie ein Lächeln auf dem schmalen, scharf geschnittenen Gesicht seiner Gemeinde gegenüber, war er für Michael immer ein gütiger, teilnehmender Freund.

Nichts gab es auch, das dieser dem vergötterten Lehrer verschwieg, und freundlich mußte er oft der großen Liebe und Anbetung des Knaben steuern.

Brennend war Michaels Wunsch, dereinst auch ein Priester zu werden, ihm war es Gewißheit, daß die letzten Worte der sterbenden Mutter denselben Wunsch bedeuteten.

Seltsam, der Propst sträubte sich anfangs dagegen, aber da er sah, wie der heranwachsende Knabe keinen anderen Wunsch hegte, gab er nach und bereitete ihn für das Priesterseminar vor, auf das er ihn nach einigen Jahren brachte. Einsam blieb Michael auch dort, ein Fremdling unter seinen Genossen, dabei einer der fleißigsten Schüler, nur von dem Gedanken erfüllt, seinem väterlichen Freund durch treueste Pflichterfüllung zu danken.

Es war ein Frühsommertag. In ewig junger Schönheit hatte die Erde sich geschmückt. Michael Wisniewski, der seit wenigen Tagen aus dem Priesterseminar zu den Ferien heimgekehrt war, genoß mit frohem Herzen den Reiz der heimatlichen Erde. Wohl hatte er gelesen, daß es fremde Länder, andere Gegenden gäbe, die herrlicher anzuschauen wären; vielleicht wie das arme Aschenbrödel gegen juwelengeschmückte Königstöchter, verglich er, sich eines deutschen Märchens erinnernd, welches seine Mutter ihm einst erzählt hatte. Trotzdem aber dünkte ihm dies Stück flachen Landes schön, wie kein anderes, und in vollen Zügen atmete er die warme Sommerluft ein.

Am Morgen hatte er in des Propstes Studierstube gestanden und den Worten des geistlichen Freundes gelauscht. In dem kühlen Zimmer mit den langen Bücherreihen an der Wand, die dem blöden Dorfjungen einst so gewaltigen Respekt eingeflößt hatten, bis sie ihre goldene Weisheit auch vor ihm aufthaten und er die stummen Freunde lieb gewann.

Noch klangen ihm die Worte des Priesters im Ohr:

»Überlege reiflich, mein Sohn, es ist ein schöner, aber auch ein schwerer Beruf, den Du erstrebst. Fesselt Dich kein Gedanke, kein Wunsch ans Weltliche? Kannst Du ein Priester sein aus innerem Herzensdrang, wohl Dir, aber wehe, Michael, wenn Du das Gelübde, das Heilige, verletzt! — Nur noch kurze Zeit, dann sollst Du die Weihe empfangen, darum prüfe Dich selbst. Gehe in Deine stille Kammer oder gehe hinaus in die herrliche, freie Gottesnatur, erforsche und erfrage Dein Herz, ob es nichts in der Welt giebt, das Dir begehrenswerter dünkt, ob es voll und ganz Deinem künftigen Berufe gehört?«

Michael that, wie der Priester ihm geraten. Er fand aber keinen Gedanken, der ihn von der heiligen Weihe zurückhalten konnte. Vor dem Muttergottesbilde, das am Wege stand, lag er auf den Knieen und betete in heißer Inbrunst, bis der Abend herniedersank. Dann schlug er den Weg nach dem Dorfe wieder ein. Die Seele war ihm erfüllt von heiligen Schauern, aber mit leuchtenden Augen, wie ein Sieger, schritt er dahin.