— Ich habe ja Nadia; ihre Augen sind für mich genug!“

Eine halbe Stunde später trieb das Floß, nachdem es den kleinen Hafen verlassen, in den Fluß hinein. Es war gegen fünf Uhr Abends. Schon brach die Nacht herein. Sie versprach sehr dunkel und kalt zu werden, denn die Temperatur sank schon jetzt bis unter Null.

Wenn Alcide Jolivet und Harry Blount sich verpflichtet hatten, Michael Strogoff’s Geheimniß zu bewahren, so verließen sie ihn doch nicht. Sie plauderten mit leiser Stimme und durch ihre Mittheilungen erlangte der Blinde, mit Zuhilfenahme dessen, was er schon wußte, eine vollständige Vorstellung von dem thatsächlichen Zustande der Dinge.

Es lag außer Zweifel, daß die Tartaren Irkutsk bedrängten und die drei Colonnen ihre Vereinigung vollzogen hatten. Höchst wahrscheinlich standen der Emir und Iwan Ogareff schon jetzt im Angesichte der Stadt.

Warum aber diese Eile, dorthin zu kommen, welche der Courier des Czaaren zeigte, jetzt wo er nicht im Stande war, jenen kaiserlichen Brief dem Großfürsten noch zu übergeben, den Brief, dessen Inhalt ihm nicht einmal bekannt war? Weder Alcide Jolivet noch Harry Blount begriffen das, ebenso wenig als früher Nadia.

Der Vergangenheit wurde zuerst mit keinem Worte gedacht, bis Alcide Jolivet zu Michael Strogoff folgendermaßen begann:

„Wir müssen uns wohl noch entschuldigen, Ihnen bei unserer Trennung auf dem Relais zu Ichim [pg 2-157]zum Abschiede nicht einmal die Hand geboten zu haben.

— Nein, Sie waren ganz berechtigt, mich für einen Feigling zu halten!

— Jedenfalls haben Sie, fuhr Alcide Jolivet fort, das Gesicht jenes Schurken verdientermaßen mit der Knute bearbeitet, so daß er noch lange die Spuren davon tragen wird.

— Nein, nicht mehr lange!“ antwortete einfach Michael Strogoff.