Und diese Leute sprangen wieder wie die Hirsche davon, so daß es wie eine Art von Jagdvergnügen war, ihnen zuzusehen.

„Ei, ei! — Schon wieder! — Das war noch deutlicher, als alles Frühere! — Jetzt winkte sie mir gar mit dem Finger und deutete auf ihre Mutter neben sich, gleichsam als wollte sie sagen: Diese da genirt unser Zusammentreffen, du mein holder Mann! — Nun, fürwahr, die hat an mir complett einen Narren gegessen.... Mein Gott, das ist jedoch für Unsereins etwas ganz Alltägliches.... Ha! da fällt mir etwas ein. Wissen Sie, was ich thun will, Leuben? Ich will jene verliebte Hexe noch rasender verliebt in mich machen — und zwar dadurch, daß ich dieselbe eifersüchtig mache. O, ich bin in diesen Dingen erfahren! — Also rasch auf irgend eine Zweite deine Blicke geworfen, Freund Althing — und sie wird wahnsinnig, sie wird unglücklich! — O, in dieser Beziehung bin ich ein ganz herzloser Gesell! — Allein man muß es bei dieser Zeit auch sein — sonst kommt man nicht fort. Nur den Ungeheuern in der Liebe sind die Weiber treu. Je beständiger man ist, desto wankender sind sie.... je gleichgültiger, um so mehr entbrennen sie für uns.... Meiner Treu, ich werde mich darüber weiter auslassen, wenn ich erst meine Memoiren unter dem Titel: „Casanova II.“ herausgebe....“

Der alte Schwätzer wäre noch lange in dieser Weise fortgefahren, indem er dabei seine lüsternen Blicke immerwährend von der einen seiner Auserkornen zur andern gehen ließ — — allein jetzt plötzlich schien er von einem neuen Anblick überrascht und mit lauter Stimme rief er aus: „Ah — da kommt unser theurer Freund Edmund von Randow!... Ah, das ist wirklich schön! Der Bursche ist mir so zu sagen ans Herz gewachsen: es ist ein köstlicher Junge, der Edmund.“

Die Person, von welcher Althing also deklamirte, näherte sich in raschen Schritten und verdoppelte dieselben noch, sobald sie die Zwei ansichtig wurde. Man denke sich einen jungen eleganten Mann von guter aber etwas leichtfertiger Haltung — dessen lachendes Auge kühn oder nach Umständen auch frech den Leuten bis zwischen die Zahnreihen sieht, dieser junge Mensch, ein Liedchen summend, eilte jetzt durch die Reihen der Gäste hin, indem er Diesem auf den Fuß trat, Jenen am Ellbogen anstieß — und auf alle Mahnungen die hierauf erfolgten nichts that, als daß er mit seiner dünnen Reitgerte in der Luft umherfocht, als wollte er Mücken vertreiben.

„Haha!“ ließ er sich mit einem Male so laut vernehmen, daß man es gewiß bis zum Zeughause hören konnte: „da sitzen sie ja beisammen die zwei Freunde, die zwei Kameraden..... Ach! und welche Blicke dieser alte Sünder wieder um sich herum wirft....“

In diesem Augenblick war er zu ihnen gelangt und ohne Weiteres warf er sich auf einen Stuhl, griff nach einer von den bereits herbeigeschafften Flaschen und schenkte sich ein Glas Champagner ein, das er auf einen Zug leerte; — dann streckte er die Beine von sich, erhob die Reitgerte und versetzte damit seinem Nachbar, dem Liebesritter Althing, einen leichten Schlag auf die Knie: „Nun, wie geht es? Was macht Ihr da? Was machen die holden Fräuleins — und wie viele hat ihrer dieser große Verführer bereits in einem Augenblick erobert? —“

Diese Apostrophe schien dem alten Seladon zu schmeicheln und mit den Lippen schmatzend versetzte er in geheimnißvollem Tone: „Bis jetzt ist es nur Eine — — aber diese kann für Tausend gelten, hahaha!“

„Wirklich?“ rief Edmund: „Das muß in der That ein kleines Weltwunder sein.... Nun und wo sitzt denn diese Helena — mein lieber Alter..?“

„Ich habe“ versetzte dieser mit gekränktem Tone — „Dich bereits zu oft gebeten, mich nicht „mein lieber Alter“ zu nennen; denn erstens bin ich noch in meinen besten Jahren — zwischen 30 und 40 — und zweitens haben wir uns, was man so sagt, conservirt — — endlich drittens — —“