„Aufrichtig, mein Freund, davon hast Du mir bisher noch nichts gesagt.“
„Wozu sollte ich Dich mit dergleichen belästigen. Kommen diese Dinge heran, so ist es noch immer Zeit genug, sie beim Namen zu nennen.“
„Nun ja; dann aber will ich Dich auch keinen Augenblick länger der Nachtluft ausgesetzt sehen — Alexander. — Komm, komm — laß uns hinauf gehen. Da, nimm meinen Shawl.“
„Warum nicht gar! Ich würde darin schön aussehen.“
„Wer sieht es denn? — Es ist ja pechfinster. Nun denn, sei nicht eitel — und folge meinem Rathe.... siehst Du, so will ich Dich einhüllen — so —“ Sie war im Begriffe, ihm den Shawl um den Hals zu wickeln; er ließ es jedoch nicht geschehen...
„Behalte, was Du mitgebracht hast, für Dich; Du bist dessen eben so bedürftig wie ich.... und lass’ uns lieber die Schritte beschleunigen, so werde ich nichts zu fürchten haben.“ Er hüllte nun sie in den Shawl ein, gab ihr den Arm, zog sie dicht an sich, und eilte mit ihr raschen Schrittes aus dem Garten in ihre Wohnung.
Sie langten im Schlafzimmer an, wo eine große Kugellampe ihren milchweißen Schein auf alle Gegenstände warf. Als der Graf diese Zeugen ihrer ersten beiderseitigen Zärtlichkeit, ihres ersten Liebesschwures, den er ihr, den sie ihm feierlicher leistete, als dies am Altare geschehen war, gewahrte — als sein Blick auf die Stätte fiel, wo sich ihre Arme so heiß, so brünstig, so selig in einander verschlungen hatten... da konnte er einen leisen Schauer, der seine Glieder schmerzlich und wild durchzog, — nicht unterdrücken. — Aber seine Selbstbeherrschung kehrte rasch zurück und er erwiederte auf die Frage, welche sie mit süßgeschämiger Stimme und begleitet vom feuchten Liebesblick, ihm zulispelte: „Du wirst mich nicht verlassen, mein Geliebter?“
„Nein, ich bleibe bei Dir, meine holde Seele.“ Er sprach es mit dem Tone glückseliger Uebereinstimmung aus.
Ach, wie viel hatten sie sich jetzt noch zu sagen, zu erzählen.... Die Liebe, die Leidenschaft ist nicht stumm, wie man glaubt — sie ist beredsam und phantasievoll wie ein Dichter. Jene einsilbige Liebe gehört den Kindern und den schüchternen Jungfrauen an.