Ein Dieb hätte es ihm nicht so geschickt nachthun können. Es schien, als wären seine Füße, als wäre sein Körper nicht von Fleisch und Blut: so leise, so luftig, so schattenhaft strich er in diesem Gemache umher. Er öffnete zuerst einige Kästchen und einen Schrank;.. hier fand er nichts als Dinge, die dahin gehören und mit denen man jedes Schlafgemach ausstattet.

Er schritt sodann zu einem Tische und zog dessen Schubladen heraus. Er fand nichts. — Er hob den Deckel ab — auch hier nichts; — er untersuchte die Winkel, Ritzen, ja selbst die Unterlage der Füße, wie er es früher bei dem Schranke gethan: nichts, nichts! —

Jetzt trat er zu einem Repositorium, auf welchem einige Bücher standen. Zuerst prüfte er das Gestell, sodann bespionirte er die Bücher, Blatt für Blatt....

Halt! hier fand er Etwas: einen Zettel mit den Zahlen: 58 — 21 — 333 — und 578 — —. Was war das? Sicherlich eine Chiffersprache. — Konnte es aber nichts Anderes sein? — Und was hätte es sein sollen? — Mit der Lotterie machte seine Gemahlin sich niemals etwas zu thun... Also steckte hinter diesen Zahlen gewiß irgend ein verborgener Sinn, von dem man nicht haben wollte, daß er einem Andern bekannt werde. —

Mit zitternden Fingern ergriff der Mann das Papier, faltete es und steckte es zu sich.... dann fuhr er mit seiner Nachsuchung fort.

Unter dem Repositorium lag eine halbverwelkte Hortensie. Woher kam diese? Sie mußte erst gestern gepflückt worden sein — — aber gestern war ja Cölestine nicht im Garten gewesen, sie hatte sich mit ihrer Garderobe unterhalten. Freilich konnte sie sich eine Hortensie durch den Bedienten haben holen lassen, denn in ihrem Garten gab es deren.... Aber das schien nicht wahrscheinlich, denn Cölestine pflegte sonst diese Blume nicht zu lieben.... Wie, wenn es ein Geschenk jenes eitel-glänzenden jungen Mannes wäre — dessen sprechendes Bild diese reizende aber duftlose Blume war? Unwillkührlich mochte das Schicksal sie ihm in die Hand gespielt haben — denn das Schicksal liebt solche Ironien. — Indeß... so weit konnte die Vertraulichkeit der Beiden doch noch nicht reichen?! — — Ach, wer wird dies entscheiden wollen! Alles war möglich und das Schlimmste um so eher! — — Wie schön reimte sich Folgendes zu einander: Cölestine hatte gestern die Blume empfangen, (vielleicht ließ der Chevalier sie zufällig fallen) — sie legte dieselbe an ihr Herz — ganz dicht an’s Herz — und dort blieb die Hortensie bis zum Augenblicke des Schlafengehens, wo sie unter die Bücher fiel. —

Er steckte auch sie zu sich.

Jetzt gab es in diesem Gemache nichts mehr zu untersuchen und unser Mann ging hinaus, um sein Geschäft in den andern Gemächern fortzusetzen... Da stand zuerst das Boudoir. — Ach hier in den tausend Fächern, Büchsen, Dosen — Schatullen und Kästchen — hinter diesen tausend Decken, Vorhängen, Falten und Draperien — — unter diesen Kissen, Pölstern, Teppichen — was konnte da nicht Alles versteckt werden? Alexander verzweifelte fast an dem Erfolge einer Untersuchung, die er hier anstellen sollte.... Er wußte nicht, wo er anzufangen habe.... Doch die Eifersucht weiß sich immer Rath zu schaffen; auch ermüdet sie niemals.