.... Aber als sollte das Alles noch nicht ausreichen, seines Zöglings Ruhm zu verkünden, sprang Wollheim auf ein in der Nähe stehendes großes Weinfaß, welches, gegen den Gebrauch, mit dem Boden aufgestellt war — — auf dieses Faß also sprang er und zwar mit einem solchen Aplomb seines dicken Leibes, daß der obere Boden unter seinen Füßen durchbrach und er im Nu unter entsetzlichem Geschrei bis an die Ohren im rothen Ofner schwamm: „Au! Au! Weh! Hurrah! — Zur Hilfe — Kumpane! Jäger! Piqeurs!“ brüllte er in der Verzweiflung.... wobei er, vermöge des Wellenschlags, welchen der Ofner beständig um sein Kinn machte, von demselben nolens volens ein gutes Theil abtrank....
Nur mit Mühe entkam er dem Verderben und stieg endlich heraus. Er stieg allein heraus — denn Edmund war nicht fähig, ihm dabei zu helfen..... er hatte mit sich selbst genug zu schaffen.
„Alle Doppelbüchsen!“ rief Nimrod und schüttelte sich wie ein Bär, der untertauchte — „das war ein unvorhergesehenes Bad... Aber der Ofner war gut!... Schade um das Faß, welches von schweizerischer Arbeit schien. — Hol’ der Teufel indeß ein schweizerisches Faß, welches durchbricht, kaum daß man es betastet. — — Wo aber jetzt sich abtrocknen.... Brr! brr! — denn es ist hier verteufelt kalt.... Ha! da kommt mir ein göttlicher Einfall! Diesen lieben Ort hier zu verlassen wäre unmenschlich. — Wie wär’ es, wenn ich meine Kleider hier trocknete?.. Wir machen dort im Hintergrunde ein Feuer.... Holz ist genug vorhanden... der Rauch kann auch zu den Kellerluken abziehen. Beim St. Hubertus! das geht! — Hat man es doch von Faßbindern hundert Mal gesehen, daß sie bei Reparaturen mitten im Keller ihren Herd aufschlugen.... Also — vorwärts mein Jüngelchen! und sogleich soll hier eine Flamme brennen, so lustig und hoch, daß man dabei zwei und zwanzig Ferkel braten kann.... Dann will ich meine Kleider ausziehen — wir wollen uns an’s Feuer setzen — unsere Krüge in die Hand nehmen.... Hurrah! das soll ein Teufelsleben werden!“
„Hurrah!“ lallte Edmund mit schwerer Zunge nach.
Gesagt, gethan. In kurzer Zeit loderte ein Feuer mächtig auf und seine Flamme leckte das schwarze Gewölbe des Kellers... Aber was man nicht berechnet und erwartet hatte, geschah. Die Luken waren zu klein und konnten den Rauch nicht hinreichend ableiten, so daß sich dieser nun hier im Innern zu einer schauderhaften Menge anhäufte... und jeden andern Menschen als diese zwei Ehrenmänner vertrieben hätte. — Aber sie waren nicht so leicht von diesem Orte wegzubringen und zwar: ob der ruhmwürdigen Wein-Eigenschaften, die er neben diesem Uebelstande noch besaß....
Was den Jäger betrifft, so stürzte er eine Kanne um die andere hinunter — und hustete beständig dazwischen. Er schien einen ordentlichen Kampf mit dem Rausche eingegangen zu sein — und eben deßwegen war ihm der letztere nicht ganz unangenehm...
Edmund jedoch, nicht so taktfest in vorliegender Kunst, sprang sinnlos wie er bereits war, umher und stotterte:
„Donnerwetter! — wir — stecken — ja da — in einem — Schornsteine! — Donnerwetter! — — Wie — kommen — wir da heraus? — Puh! Brr! — —“
„Ei warum nicht gar!“ brüllte Wollheim: „Was sind das für dumme Faxen —? Schornstein? — Im Keller sind wir! Im Keller! — —“
„Nein — im — Schorn — steine — — Ah — Ah — ich — ersticke — —.“ Und der arme Jüngling fuhr wie ein Gehetzter umher, stieß überall an — und wäre beinahe in’s Feuer gerannt — wenn der Jäger ihn nicht schnell bei der Hand ergriffen hätte. — Aber das Tanzen hörte bei Jenem deßhalb nicht auf und wider Willen sah sich der Alte jetzt selbst davon fortgerissen. Er, in seinem halbnackten Zustande (er hatte Alles, nur die Strümpfe nicht, ausgezogen, aus angeborner Schamhaftigkeit hatte er sich noch überdies sein Taschentuch, statt eines Feigenblattes, vor den Bauch gebunden) — tanzte nun wie ein wilder Neuseeländer mit seinem Schüler um die Flamme herum.... Es war ein Bild zum Malen! —