Er hatte sie jetzt an der Seite jenes Menschen, der ihm ihr Herz geraubt hatte, beobachtet — hatte gesehen, wie Jener für sie glühte und wie sie von dieser Gluth erwärmt schien. Welche Blicke hatte sie ihm gegeben — und welche von ihm empfangen! Und Alles das so offenbar, so vor aller Welt. —
Sollte es denn schon so weit gekommen sein, daß sie sich nicht einmal mehr verstellen konnten oder daß sie es nicht wollten? — So war er, Alexander, also nicht mehr blos das Opfer, er war auch das Spielzeug, die Puppe, der Narr, durch welche Dinge sie ihrem Vergnügen neue Reize verliehen. —
Ach — was kümmerte ihn Dieses. Er hatte an Jenem schon genug. Er war geopfert, verkauft, sein Herz zertreten — seine Seele zerrissen, sein Leben vergiftet.... So konnte es mit ihm nicht mehr lange bestehen....
Er rannte hinaus aus den Sälen, wo Alles Lust, Freude und herzloser Verrath war — er stürzte hinaus auf eine Terrasse.... Es war wieder eine Terrasse, wie dort in der ersten Nacht ein Balkon — es war wieder eine Sternennacht — und durch diese Nacht strich wieder jener allwaltende Geist, der sich eines Elenden erbarmt, oder aber ihn verstößt, ihn nicht kennen will....
Diesmal aber war das Letztere der Fall. Diesmal erschien keine Cölestine auf dem Balkon und schlang liebewarm ihre Arme um seinen Hals. — Diesmal, diesmal, als Alexander verzweiflungsvoll, wahnsinnig die Hände rang gegen das dunkle Firmament, rufend:
„O — hat sie wirklich an mir gefrevelt? — Nur noch ein Zeichen! Einen letzten Beweis!“
Diesmal antwortete eine Stimme hinter ihm: „Warten Sie einige Tage ab — und Alles wird Ihnen offenbar werden.“
Rasch drehte Alexander sich um. Er bemerkte nur noch die Umrisse einer dunkeln männlichen Gestalt, die gleich einem Schatten forteilte — in der Nähe um eine Ecke verschwand — und weiter keine Spur hinter sich ließ, als den Wiederhall ihrer schrecklichen Worte...:
„Warten Sie einige Tage ab — und Alles wird Ihnen offenbar werden.“