d. h. über Alles höchstens — die Achsel zu zucken.

Warum aber hatte Cölestine dem Grafen Alexander einen so entschiedenen Vorzug vor so vielen Andern eingeräumt? — — Ach es ist schwer, die Calcule der Liebe zu verfolgen. Die Liebe berechnet nach einem dynamischen Zahlensysteme, wofür wir in der materiellen Welt keine Zeichen haben. Wer kann sagen, warum Diese Jenen liebt und nicht den Andern? — Ja, das Beste dabei ist: wir selber können in den meisten Fällen uns das von unserer eigenen Liebe nicht nachweisen. Mich dünkt, Shakspeare hat es gesagt: Der Eine verliebt sich in die blauen Strümpfe seiner Dame, ein Zweiter in ihren süßen Athem — — ein Dritter findet in der Pupille ihres Auges eine Gottheit, die ihn zu ihren Füßen hinreißt; oft ist ein Traum, in welchem uns eine bisher ganz gleichgültige Person erscheint, hinreichend — um uns in Wirklichkeit mit rasender Liebe zu ihr hinzureißen; ja man hat Beispiele, daß uns Jemand durch seine enorme Häßlichkeit eben so bezaubert, wie ein anderer Jemand unsern Freund durch seine unaussprechliche Schönheit.

Das sagt Shakspeare. Und sollte er es auch nicht sagen, so sage ich es, was, wenn es gut gesagt sein sollte, die Sache am Ende auch nicht schlimmer macht.

Was nun Alexander und Cölestine betrifft, so ist es höchst wahrscheinlich, daß die ernste, bedeutungsvolle, stolze und düstere Männlichkeit des Grafen — sie zu allererst zu ihm hinzog. — Solche ungewöhnliche tiefromantische und geheimnißvolle Charaktere beschäftigen zu sehr die Neugierde der Weiber, als daß sie später nicht auch deren ganze Seele herüberziehen sollten. Denn mag man dagegen sagen, was man will — Neugierde ist der erste Ring in der Kette weiblicher Empfindungen; an ihm hangen die übrigen der Theilnahme, des Mitleids, der Freude, der Furcht, der Hoffnung, der Freundschaft und der Liebe.

Ueberdies war Alexander, dieser stolze, selbstständige und geistreiche Mann auch — ein nicht unschöner Mann. Grund allein schon, ihn zu lieben — wenn er auch sonst nichts besessen hätte. Denn ist materielle Schönheit an sich nicht schon hinreichend, ein Weiberherz, oft das gebildetste und zarteste, zu besiegen? Wenigstens treffen wir täglich auf Beispiele, die hierher gehören. In Rom hat erst kürzlich eine jugendliche hochgeborne und hochgebildete Miß ihren — Kutscher geheirathet, und Madame Dudevant in Paris hat sich, wie man mir erzählt, neulich in einen allerliebsten handfesten Ouvrier vernarrt, wiewohl die große Schriftstellerin nachgerade im Begriffe steht, eine — Matrone zu werden.

Doch wohin verirre ich mich? Graf Alexander ist ja nicht in diese Kategorie zu versetzen; aber man gelangt beim Raisonniren so leicht vom Hundertsten in’s Tausendste, und dies darum: weil es in der Natur so viele Aehnlichkeiten — nahe und entfernte — giebt.

Genug an dem: sie hatten sich gefunden, sie hatten sich erreicht — ein Himmel voll Lust ging auf über ihren Häuptern und der Erdendämon des Kummers zog grollend von dannen. Sie kannten ihn nicht mehr.