Es wird nicht eben nöthig sein, viel von den übrigen Personen zu reden, welche theils als nächste Verwandte des Hauses, theils als erbetene Zeugen das Brautpaar umgaben. — Da stand eine Gräfin von Wollheim mit ihrem Gemahle, der ein großer Jäger war, während sie zu den leidenschaftlichsten Mitgliedern des Wohlthätigkeitsvereins hoher Damen gehörte und alle Jahre mit eigenen Händen 6 Paar grobwollner Strümpfe dazu strickte, die sie freilich viel leichter für einige Groschen hätte kaufen können. Ferner war eine Frau von Porgenau ebenfalls mit Gemahl da, von welch’ letzterem man sich allerlei schnurrige Geschichten erzählte. Er wollte für einen großen Bonmotisten und Calembouristen gelten, und da hierzu sein Talent nicht völlig ausreichte, griff er zu dem auch bei einigen andern Leuten gebräuchlichen Mittel, daß er fremde Witze als eigene auftischte. Achtbarer und hochverehrter als der alte — Rath und Ritter einiger Orden, Herr von Labers, konnte Keiner sein. Er zählte unter die verdientesten Staatsmänner der Regierung und seine Anwesenheit allein reichte hin, eine Gesellschaft auszuzeichnen. Er war einer von den Trauungszeugen des Brautpaares. An seinem Arme führte er die bejahrte Wittwe eines Feldmarschall-Lieutenant E—z, welche ebenfalls eine Zeugin bei der Ceremonie abgab. Noch mehrere Gäste befanden sich im Saale; jedoch ist es nicht unsere Absicht, sie hier alle aufzuzählen, um so weniger, da dieselben im Verfolge dieser Geschichte wohl nicht wieder auftreten dürften.
Nur von Cölestinens Bruder, Edmund von Randow, müssen wir noch sprechen. Natürlich, daß auch er sich im Kreise der Gesellschaft befand. Ein Charakterzug, der an diesem leichtsinnigen Jüngling sehr auffallend erschien, war eine so zärtliche Liebe für seine Schwester, daß er in ihrer Nähe, man möchte sagen, einen ganz neuen Menschen anzog; denn es gab dann keinen gefühlvolleren und liebenswürdigeren jungen Mann, als wozu er sich Angesichts Cölestinens verwandelte.
So stand denn Edmund jetzt auch schüchtern wie ein Mädchen neben seiner Schwester, und wenn er einen Blick von ihr erhielt, wäre er vor Seligkeit niedergesunken und hätte ihre Füße geküßt.
Es ist in der That auffallend, und doch ist es vorgekommen, daß zwischen Bruder und Schwester oft eine so romantische Liebe existirt, wie man sie kaum zwischen Geliebten findet. Woher mag das kommen? Ist es vielleicht einerseits die Anziehungskraft zwischen den beiden Geschlechtern — und anderseits die Macht jenes Naturgebots, welches eine Scheidewand stellt zwischen Menschen, die ein Schoß gebar? — In diesem wechselnden anziehenden, abstoßenden Magnetismus ist gewiß ein namenloser Reiz verborgen und es entspringt hieraus einer jener romanesken Zustände, welche wir nur erleben, nicht schildern können.
Endlich erschien der Hauskaplan im Chorhemd und Stola, um das Paar vor die Stufen des Altars zu laden. Man trat sogleich durch einen kurzen Corridor in das Heiligthum. Der Tisch des Herrn war festlich geschmückt, helle Lichter brannten auf demselben und zwischen ihnen glänzte auf silbernem Kreuze das schmerzvolle Bild des Erlösers.
Der Priester stellte sich auf die oberste Altarsstufe und erwartete hier, daß Diejenigen, denen er ein Sakrament der Kirche ertheilen sollte, zu ihm kommen und darum bitten würden. — So wurde denn Cölestine von der Wittwe des Feldmarschall-Lieutenant E—z und ihren Eltern, Graf Alexander aber von dem —Rath, Herrn von Labers, und seinen Freunden dahin geführt.
Mit fester Stimme ward beiderseits das „Ja“ gesprochen, die Ringe gewechselt, die Stola schlang sich um die vereinigten Hände.
Sie waren Mann und Weib.
Edmund, der der Ceremonie von ferne zugesehen hatte, sank bei dem letzteren Akte ohnmächtig in einen Betstuhl.