Zu gleicher Zeit hörte man draußen einen Pistolenschuß fallen, und wie man später erfuhr, hatte ein junger Mann, den man jedoch nicht erkannte, den Versuch gemacht, sich selbst zu entleiben. Vor der Trauungsfeier noch war er in der Nähe der Kapelle gesehen worden, hatte sich aber irgendwo zu verstecken gewußt, so daß man ihn nicht finden konnte. Nachdem der Schuß, welchen er gegen seinen Kopf zu thun beabsichtigt hatte, durch irgend einen Umstand fehlgegangen war — war dieser Fremde wieder plötzlich verschwunden, ohne daß man wußte, wohin er gerieth. — Diese ganze Szene trug sich vor der Kapelle zu und war von einigen Dienern des Hauses beobachtet worden.

Ein heftiger Schrecken hatte sich beim Knall des Gewehres unter der Gesellschaft in der Kapelle verbreitet. Man glaubte anfangs, es sei nach dem Bräutigam oder gar nach der Braut geschossen worden. Indeß erfuhr der General und seine Gemahlin sogleich das Wahre von der Sache, und dem Brautpaar, so wie den übrigen Gästen sagte man: es sei unvorhergesehenerweise das Gewehr eines Jägers im Hause losgegangen.

Aber welches Entsetzen ergriff Alle, als sie in einem Betstuhle Edmund leblos liegen sahen. Doch wieder beruhigte man sich, sobald man seinen wahren Zustand entdeckte. Man kannte seine schwärmerische Neigung für Cölestine. Aber war es diese Neigung, die ihn im Augenblick, als die Schwester ihm auf immer entrissen werden sollte — oder war es ein Vorgefühl vor dem räthselhaften Schusse, — welches ihn besinnungslos hinstürzen ließ, wer kann es berechnen?

Als endlich wieder Alles geordnet war, als man den Ohnmächtigen wieder zu sich gebracht hatte, als er in den Armen seiner bräutlich geschmückten Schwester vollends zum Leben erwacht war — verließ der Zug endlich die Kapelle und begab sich nach dem großen Familiensaale. Cölestine empfing hier den Segen ihrer Eltern, die ersten Glückwünsche der gegenwärtigen Gäste, so wie einige Geschenke ihrer Verwandten.

Länger jedoch vermochte die Arme sich nicht aufrecht zu erhalten. Diese Menschen, die sie umgaben, waren so gesund, wohlbehalten, ihnen war nichts begegnet als ein gewöhnliches Fest — — hingegen auf Cölestine waren so viele Ereignisse, oder vielmehr ein einziges großes, tausend andere in sich fassendes Ereigniß, eingedrungen — daß ihre ungewohnte Brust den Druck desselben nicht länger zu ertragen vermochte.

Cölestine begab sich mit ihrem Manne und ihrer Mutter nach einem andern Gemache.

Zurück blieben die Verwandten und Gäste, welche sich um den General stellten und ihm jetzt dasselbe wiederholten, was sie früher seiner Tochter gesagt hatten, nämlich Glückwünsche, Gratulationen, Prophezeihungen und andere leere Sachen, an denen die Welt immer reich sein wird, so lange es noch müßige Menschen und solche giebt, denen es an Nichts oder an Wenigem fehlt; mögen dieselben hohen oder niedern Standes sein, das ist einerlei.