Viertes Kapitel.
Der Hochzeitsball.

Des Abends waren die Salons des Palastes glänzend erleuchtet. Natürlich, man mußte ja einen Ball geben, ohne das läuft so was nimmer ab. Wie hätte sonst die halbe Welt Gelegenheit haben sollen, die ersten Augenblicke des Ehepaars mit jener schmählichen Neugierde zu kontrolliren, welche Ihr — Ihr armen braven Handwerksleute, Bürger und Bauern nicht kennt. Gewisse Gebräuche und Sitten der beau monde hat die bloße, nackte Unverschämtheit erfunden — und die herzlose Fühllosigkeit sanktionirt sie und bringt dieselben in Ausübung. Hierher gehört auch die Sitte, von welcher wir gegenwärtig sprechen.

Wozu ein Ball, ein Fest, eine Versammlung nach der Vermählung? Sind sich in diesen Stunden Mann und Weib nicht genug, halten sie sich denn nicht zum ersten Male mit den Armen umschlungen, und sind diese nicht noch kräftig genug, um fremder Stütze zu entbehren? — Bei Gott, es ist eine Perfidie — mich unter dem Vorwande eines Gebrauchs — von der ersten Besitznahme meines Eigenthums zu trennen. Der erste Augenblick ist ja der entzückendste, warum stört Ihr mich gerade jetzt? — — —

Oder sollen diese Gesellschaften am Tage der Vermählung soviel sagen, als: von nun an wollen wir immer und so oft als irgend möglich zwischen Euch treten und Euch die einsamen Augenblicke, die so süß sind, rauben.... von nun an wollen wir es hindern, daß Ihr Euch so ganz vereinigt, wie es in der Schrift geschrieben steht: ein Leib und eine Seele.

— Die Räume der Salons waren jetzt bereits so sehr angefüllt, daß kaum mehr Platz da war für neue Gäste, und doch kamen deren immer mehr und mehr. Namentlich Frauen waren mit ihren Männern in großer Menge erschienen und auch junge Leute; weniger waren Mädchen zu bemerken, die man von solchen Festen gerne ausschließt.

Schon sammelte und sonderte man sich in Kreisen und Gruppen, schon unterhielt man sich in jener halbleisen und halbschreienden Weise, welche die Conversation der Leute vom guten Ton auszeichnet. Der Gegenstand dieser Conversation, dieser Blicke, dieser Deutungen und Zeichen war, wie natürlich — Cölestine und ihr Mann. Ich weiß nicht, ob noch irgend ein anderes menschenmögliches Ereigniß im Stande gewesen wäre, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich zu ziehen, es müßte denn allenfalls das Herabfallen der Decke des Salons gewesen sein.

„Allein finden Sie nicht, beste N**, daß er beiweiten hübscher ist, als wie man uns ihn beschrieb?“

„Gewiß, gewiß, meine Freundin: er kann sogar ein schöner Mann genannt werden.“

„Was sagen Sie zu seinem Benehmen, theure Gräfin V**? Finden Sie es nicht ein wenig schroff? ungewöhnlich?“

„In der That — ja.... indeß kleidet es ihn nicht schlecht, wie ich glaube....“