„Mein Gott, das wäre ja recht abscheulich! — Wozu arbeiten wir denn? — Dann könnten wir ihnen ja die paar Kreuzer, welche sie für unsere Sachen lösen, viel bequemer selbst geben....“
„Das ist Alles wahr und ich habe darüber schon mehrfach nachgedacht. Hören Sie mich, meine Besten, welchen Vorschlag ich gesonnen bin, bei dem Comité des Frauen-Vereins in den nächsten Tagen einzureichen. — Man soll in Zukunft jedes Stück unserer Handarbeiten mit kleinen Schlössern versehen: Strümpfe, Socken, Unterbeinkleider, Unterröcke — kurz Alles. Jedes Stück wird sodann dem damit betheilten Armen mittelst des Schlosses förmlich an den Leib geschlossen.... den Schlüssel aber behalten wir oder besser das Comité. — Sollte dieser Vorschlag nicht durchgehen, so habe ich einen zweiten in Bereitschaft. Man klebt mittelst einer Mischung, bestehend aus Gummi, Pech, Sägespänen und Teufelsd— —, den Leuten ihre Kleidungsstücke an den Leib.... Jene Mischung muß in einem glühenden Becken heiß gemacht und in diesem Zustande unsern theuern Schützlingen über die nackten Glieder gegossen werden, sodann kommt das Kleidungsstück darauf — und es geht niemals wieder herunter. — Ist dies nicht eine köstliche Erfindung? Was sagen Sie dazu, meine Damen?“
So schloß die Stiftsdame.
Die Uebrigen waren nicht ganz ihrer Meinung. Besonders schüttelte Gräfin Wollheim sehr unwillig das Haupt und sagte:
„Aber da wird ja unsere schöne Arbeit völlig zu Grunde gerichtet. Das abscheuliche Pech muß ja durch alle Nähte dringen....“
Man sieht, sie dachte menschenfreundlich!
„Fürchten Sie dieses nicht, meine Beste!“ beruhigte die Stiftsdame: „Das Pech dringt nicht heraus. Dagegen hilft der Teufelsd— —, den ich nicht umsonst beigemischt habe. — Der Teufelsd— —, wie Sie wissen werden, meine Damen, hat eine contraktive Eigenschaft und ist überhaupt auch für die Gesundheit sehr zuträglich.... Unsere Armen werden dabei dick werden, wie ungarische Mastschweine....“
Die Stiftsdame hatte unter andern lieben Eigenschaften auch jene, daß sie alle Gegenstände bei ihren natürlichen Namen nannte, von welcher Gewohnheit sie keine Rücksicht abhielt. Da man dies von ihr wußte, ließ man sie reden; freilich redeten mit ihr nur die Buckligen und Häßlichen.
— — Seit einer halben Stunde bereits lauerte Alexander auf eine Gelegenheit, die ihm eine ungestörte Zusammenkunft mit Cölestine verschaffen sollte. — Jetzt schien auch sie seine Wünsche zu begreifen und gab ihm hierauf ihre Antwort durch sanfte und wehmüthige Blicke zu verstehen. — Alexander war nun der seligste Mensch! — So hatte er sich also wieder umsonst gequält!.... Er hätte früher nur gleich ihre Nähe aufsuchen und sie nicht verlassen sollen, so hätte er sich jeden Kummer erspart. — Er brauchte ja deßhalb nicht die übrigen Leute von Cölestine zu verscheuchen. — Ein günstiger Augenblick gönnte ihm jetzt, mit ihr mehrere Worte zu sprechen, und er flüsterte ihr zu: