„Ach, wie sehne ich mich nach Dir, Cölestine!“

„Ich theile Dein Verlangen, mein theurer Geliebter!“ antwortete sie ihm leise und ein Blick ihrer schönen schwarzen Augen bestätigte die Wahrheit dieser Worte.... Dieser Blick versengte jedoch mit seiner Glut wieder die Besonnenheit des Grafen und er sprach mit dumpfem Schmerze:

„Soll ich Dich noch lange entbehren — so sterbe ich! Erbarme Dich meiner! Noch nie habe ich so gefleht.“

Aber in demselben Augenblick fühlte er sich an der Schulter berührt. Der Vater seines Weibes stand neben ihm:

„Ei, ei!“ sprach der General: „was soll das heißen, Alexander? Sie rauben unseren Freunden ein sehr wichtiges Recht. Heute gehört Cölestine noch ihnen — — erst von morgen an dürfen Sie allein über Ihre Frau verfügen...“

Es ist nicht möglich auszudrücken, wie schwer diese Worte den Grafen verletzten; gleich einem vergifteten Degen fuhren sie durch sein Herz, und zwar eben deßhalb, weil sein Schwiegervater es war, der sie gesprochen. Mit einem unaussprechlichen Blick sah Alexander denselben an, zerdrückte in seiner Brust einen heftigen Seufzer und ließ sich sodann stumm von dem General fort führen. Dieser hatte ihn unterm Arme ergriffen und durchschritt mit ihm einen, zwei Säle.... Es schien, als könnte er ihn nicht weit genug weg von Cölestine führen....

Alexander hätte den Alten ermorden mögen — aber was blieb ihm zu thun übrig? Er folgte, folgte wie ein Opferthier, das man zwar mit Blumen bekränzt, aber dennoch zur Schlachtbank führt. Der General hatte ihn zu einer Ottomane gebracht und ihn genöthigt, hier Platz zu nehmen. Er selbst setzte sich neben ihn und begann nunmehr ein Gespräch von Geschäftssachen und Gegenständen, die sich auf den zukünftigen Haushalt der Eheleute bezogen.... Alexander hätte vor Wuth aufspringen mögen wie ein Wahnsinniger... Der General aber schien sehr kalt und ruhig.

Dies ist leicht zu begreifen; er war ein Greis und hatte so eben seine Tochter versorgt — während der Andere vor Leidenschaft glühte, diese Tochter zu umarmen. Das war der Unterschied; bei Gott ein ziemlich großer.

Um das Unglück voll zu machen, kam auch noch Herr von Porgenau herbei und fing an, alte Witze aufzutischen, die im Jahre 1805 Mode waren, ja einige darunter mochten noch in der Arche Noah von dessen Söhnen aus Langerweile gemacht worden sein.

„Ei — so schön beisammen!“ rief der alte Bonmotist und lächelte schon im Voraus über den Witz, welchen er sofort zu machen beabsichtigte. Denn Herr von Porgenau hatte die Gewohnheit jener Humoristen und Komiker, sowohl auf dem Theater als auf dem Druckpapiere (ich will hier ihre Namen nicht nennen!), die, bevor sie einen Gedanken, den sie für einen Witz halten, preisgeben — selbst zu lachen anfangen und sich so gleichsam den Erfolg sichern; denn die Zuhörer lachen dann auch mit — freilich bloß über die Albernheit des Witzmachers.