Fünftes Kapitel.
Einige Lebensszenen.

Im Kaffeehause bei Daum trafen einige Tage darauf zwei Herren zusammen. Es war gegen Mittag, um welche Stunde dieses Etablissement sehr zahlreich und zwar von einer gewählteren Gesellschaft besucht wird. Hier sehen Sie den Stutzer, der so eben von seiner Toilette kommt, um sich hier in den vielen Spiegeln zu besehen, was er zu Hause niemals so gut kann, denn welcher Mensch, und sei er ein Pelham, besitzt in seinem Quartier ganz Spiegelwände? Uebrigens frühstückt hier der Stutzer auch, und das ist der Vorwand, unter welchem er erscheint. — Ferner werden Sie eine zahlreiche Auswahl junger Kavaliere in diesem Saale bemerken.... man beabsichtigt einen Morgenritt nach dem Prater und kommt früher hierher, sich zu erfrischen.... Ein großer Theil jener Beamten, die eben keine zärtlichen Freunde der Bureaux sind — sodann pensionirte Hauptleute und Majore und endlich Fremde, namentlich Franzosen, vollenden die Gesellschaft, welche Herrn Daums Kaffeehaus Vormittags zwischen zehn und zwei Uhr besucht.

Man tritt, wie gesagt, gewöhnlich unter dem Vorwande, ein Frühstück zu nehmen, ein, aber nur bei den Wenigsten lauert keine andere Absicht im Hintergrunde. Dieser Herr z. B. will sich zwei Stunden lang auf weichen Sopha’s umherwälzen und Neuigkeiten aufschnappen — — Jener sieht durch’s Fenster nach den vorübergehenden Damen oder er stellt sich zu diesem Behufe lieber gleich vor die Thür des Kaffeehauses — denn es liegt ja auf dem Kohlmarkt, der besuchtesten Straße Wiens; was einen Dritten betrifft, so hat dieser, dem die Gläubiger seine Wohnung stürmen, sich vor ihren zudringlichen Schaaren hierher, in dieses Asyl geflüchtet, weil öffentlich Niemand gemahnt werden darf. — Und so ließe sich dieses Thema, welches wie so viele andere Kapitel über den Unterschied zwischen Schein und Sein handelt, noch weiter behandeln, wäre hier der Raum zu dergleichen vorhanden. —

Wir eilen jedoch lieber zu einem der Hauptfäden unserer Geschichte und überlassen Schilderungen von Nebendingen jenen Autoren, die in ihrer Naivetät solche für Hauptsachen halten.

Jene zwei Herren, die sich bei Daum so eben getroffen haben und von welchen wir zuvor sprechen wollten, waren: unser wohlbekannter Weiberbesieger Althing — und Edmund von Randow. Sie begrüßten einander mit jenem Geschrei, welches zwischen gewissen noblen Leuten die herrschende Tonesart ist....

„Ah — mein lieber Edmund!“

„Ah — mein alter Bursche Althing!...“

Sie umarmten sich so herzlich als nur möglich.