„Was Sie für mich thun können?“ seufzte Leuben schwer auf: „Jetzt vielleicht nichts mehr oder sehr wenig; früher jedoch würden Sie ganz gewiß mein Leben, meine Seele, mein Glück und meinen Frieden haben retten können. —“

Daß Edmund den Zusammenhang und Sinn dieser abgebrochenen Worte errieth, läßt sich wohl denken. Er hatte es längst bemerkt, daß dieser junge Mann auch zu der Zahl derjenigen gehörte, die von den Reizen Cölestinens bezaubert waren; er wußte jedoch bisher noch nichts von der namenlosen, alle Grenzen einer gewöhnlichen Empfindung übersteigenden Leidenschaft Leubens. Diese Stunde gab ihm indeß hinreichende Aufklärung. Da ihm nun solchergestalt das Unzukömmliche seines jetzigen Zusammentreffens mit dem jungen Mann und das gänzlich Verwerfliche seines längern Verweilens bei demselben einleuchtete, so bemühte er sich eifrig, sein Mitleid für ihn zum Schweigen zu bringen und sich rasch von hier zu entfernen.

Er wartete daher nur noch eine nähere Erklärung Leubens ab, sodann wollte er ihm ohne Rücksicht Adieu sagen. — Der Unglückliche beschleunigte selber diesen Plan. Er faßte Edmund an beiden Händen — stellte sich vor ihn hin und sprach mit düsterem Tone:

„Ich liebe Ihre Schwester!“

„Mein Herr!“ versetzte dieser, der jetzt augenblicklich sich losriß und zwei Schritte zurück trat — in kaltem Tone: „Meine Schwester ist seit acht Tagen die Gemahlin des Grafen von A—x.“

„Das weiß ich!“ sagte Leuben mit dumpfer Stimme.

„Das wissen Sie!“ rief Edmund streng: „und dennoch wagen Sie es, mir eine solche Erklärung zu geben.“

„Und warum nicht?“ fragte Jener finster.