Edmund aber trat in ein neues und schönes Gebäude ein. Es war das Palais des Grafen Alexander von A—x, welches dieser seit Kurzem mit Cölestine bewohnte.


Sechstes Kapitel.
Die ersten Tage eines jungen Ehepaars.

Sie lebten so glücklich. —

Welcher Abschnitt des Lebens läßt sich wohl mit jener Zeit vergleichen, da die erste Liebe in ehelicher Sicherheit und Kraft blüht, wie die Blume des Feldes, die von sorgsamer Hand in das Beet des Gartens versetzt wurde.... Ach, sie saugt jetzt edlere Säfte aus diesem edleren Boden — und voll, farbig, duftreich, wie nie, steigt sie empor in die blauen Lüfte. —

Was ist die Liebe? Eine Waise, die arm und nackt nach einem Freunde sucht, der sie aufnimmt in seiner Hütte.... Hier wird sie groß gezogen — reift zum Weibe — und bringt als Hausfrau Segen über das ganze Haus.

Wir fürchten in der That allzusehr hinter der Wirklichkeit zurückzubleiben, indem wir ein Bild von dem jetzigen häuslichen Leben Alexanders und Cölestinens zu geben versuchen. So hatten sie sich denn endlich erreicht. — Niemand konnte mehr Eines dem Andern entreißen. — Niemand? — Mit Gewalt wenigstens nicht!

Wir wissen nicht, wer von beiden das Glück, welches ihm an der Seite des Gatten geworden war, inniger und tiefer empfand. Es war zwischen ihnen ein steter Wettstreit von Zärtlichkeit: Jedes wollte hierin den Preis davon tragen.

Das Haus, welches sie vom Tage ihrer Vermählung an bewohnten, war sehr geräumig und mit allen Bedürfnissen eines eleganten und wohnlichen Aufenthaltes auf verschwenderische Weise ausgestattet. Es enthielt zwei Etagen, wovon die erste zwei Salons und viel große Gemächer, die zweite kleinere Wohnzimmer, vorne zum untergeordneten Gebrauch der Herrschaft und nach hinten zu für die Beamten des Hauses dienten. Die eigentlichen Domestiken bewohnten das Parterre. Hinten schloß sich an’s Haus ein schöner geräumiger Garten an, ein Gegenstand, der in diesen Theilen Wiens nicht eben häufig angetroffen wird. Wie wir schon bemerkten, war dieser Wohnplatz, dieses Palais in Bezug auf seine innere und äußere Einrichtung im Sinne des Wortes glänzend und vollkommen. Es konnte den ersten Häusern der Stadt den Rang ablaufen. Graf Alexander hatte von dem Augenblick, als er zu dem Besitze des Herzens Cölestinens gelangt war und sich Hoffnungen zu machen anfing auf ihre Hand — mit wunderbarem, mit wahrhaft rührendem Eifer gestrebt, hier der Geliebten seines Herzens einen Sitz der Freude, der Bequemlichkeit und der Pracht zu schaffen. Was der zärtlichste Sinn ihm nur Schönes und Vortreffliches eingab, Alles suchte er zur Wirklichkeit zu bringen — seine Sorgfalt für dieses Stückchen Erde glich derjenigen, welche fromme Gläubige für einen Platz, der ihrem Gott geweiht ist, hegen, und welchen Platz sie mit einem Tempel schmücken.