„Wie dem auch sei,“ rief das zärtliche Weib aus: „so lass’ mich Dich lieben — und es störe keine Betrachtung, keine Berechnung den Genuß unserer Wonne. Diese erfülle unser Herz, so weit dasselbe Raum hat — und mag es auch überfluthen, was schadet das? Wir stürzen uns dann in einen Ozean von Glückseligkeit — — sollten wir darin auch untergehen. — O, wie lieb’ ich Dich, mein Geliebter, mein theurer Alexander!... Wie preise ich mich glücklich, Dich jetzt so in meinen Armen halten — — Dir sagen zu können: Alles, Alles, was ich habe, worüber ich verfügen kann, gehört Dir!... Denn ich bin Dein Sklave, Dein Eigenthum, mein lieber Mann.... aber Dein Sklave aus entzückender Hingebung — ein Eigenthum, das ich selber längst nicht mehr besaß....“

Sie umschlang seinen Nacken mit ihren beiden schönen, blüthenweißen Armen und zog sein Haupt herab auf ihren vollen, wogenden, duftenden Busen, der, hart wie Marmor, zu zerspringen drohte unter keuscher Sinnenlust. Sein Mund küßte die Stelle, wo ihr Herz schlug, und jeder Schlag durchfuhr sein ganzes Wesen mit einer magischen Gewalt, davon jede Faser in ihm selig erbebte. Er war keines Wortes mächtig — er zitterte wie ein Kind in ihren Armen — er hätte weinen mögen — — noch nie war es ihm so gewesen, wie jetzt: „So hab’ ich Dich noch nie geliebt, wie in diesem Augenblick!“ rief er ganz aufgelös’t.

„Auch ich, auch ich!“ bebte es von ihren Lippen: „Auch ich habe Dich noch niemals so geliebt!“

Und diese beiden Wesen schienen von einer unaussprechlichen Trunkenheit erfaßt zu werden...

Sie verloren alles Bewußtsein. —

— — Auf ihrem einsamen Wohnsitze erhielten sie zuerst den Besuch von Cölestinens Mutter, darauf erschien Edmund, der den Moment nicht erwarten konnte, seine Schwester in die Arme zu schließen. Diese Besuche störten nicht mehr das idyllische Glück des jungen Ehepaars — — es kam dann auch der alte Vater und auch er war willkommen; aber jetzt befürchtete man, daß sie nur allzubald herbeiströmen würden, die Schaaren der „Freunde,“ der Neugierigen, der Argwöhnischen und Neidischen. — Alexander jedoch beschloß, so lange als möglich die feste Mauer, welche sein Haus umzog, zu vertheidigen. — Ach, er kannte den unerschütterlichen Sinn und die sich immer erneuernde Tapferkeit der Belagerer nur zu gut, und so war denn höchstens nur noch für ein paar Wochen Sicherheit zu hoffen.

Es war eines Vormittags, als sie von der Generalin besucht wurden.

„O, meine Kinder,“ sprach Cölestinens Mutter, diese würdigste und tugendhafteste aller Matronen des Geschlechtes der Randow — „wie danke ich meinem Schöpfer, der Alles so gefüget hat, wie es zu Eurem Glück erforderlich ist. So sind wir, so seid Ihr am Ziele aller Wünsche und unser Gebet kann sich nur auf den Fortbestand dieses gesegneten Zustandes beschränken. — Ja, er wird fortbestehen und währen, bis Euer Auge bricht, bis Eure Herzen ausschlagen.... Ihr werdet Euch lieben und glücklich sein bis an’s Ende Eurer Tage. Mir sagt es mein ahnendes, mein vertrauendes Mutterherz — und ich lese hierzu die Bestätigung in Euren Augen. — O Cölestine, mein Kind, liebe Deinen edlen Gatten, sänftige und erquicke seinen ernsten, schwermuthvollen Sinn!... Aber, was sage ich? Du hast es ja schon gethan! — Und so bleibt mir nur noch eine Bitte an Dich übrig: daß Du es auch in Zukunft nicht unterlassen sollst. — — Und nun zu Ihnen, mein theurer Freund und Sohn Alexander! — Bewahren Sie für alle Zeiten Ihrem Weibe jene Zärtlichkeit, die Sie ihr jetzt widmen, eine Zärtlichkeit, an welcher Ihr großes Herz so reich ist!... Sie sind nicht mehr unverstanden, Sie sind nicht mehr ungeliebt.... es hat sich Ihnen ein Herz ergeben, das Ihrer würdig ist und das streben wird, dies immer mehr zu sein. — Merkt Euch noch Eines, meine Kinder: Lasset Eure Liebe von der Tugend geheiligt werden; seid fromm, sittig, rein und bescheiden: eine Liebe, welche dies nicht ist, sie wird, glaubt es mir, nimmerdar bestehen. — Die echte Liebe ist nicht von dieser Welt; sie sucht an ihrem Gegenstande die höheren Eigenschaften und liebt ihn um so inniger, je mehr sie diese in ihm entdeckt — — ebenso bemüht sie sich, diese in der eigenen Brust zu erwecken, um sie ihm anzubieten — um dieselben gegen die seinigen auszutauschen. Das ist wahre Liebe — und so haben sich immer jene edlen Menschen geliebt, von deren Herzensgeschichte uns die alten Bücher so Rührendes erzählen....“

Die jungen Gatten, ergriffen von der Ermahnung Derjenigen, die jetzt ihnen Beiden Mutter war, sanken zu ihren Füßen nieder und gelobten feierlich, nach dieser Lehre zu leben. Da segnete sie die fromme Alte und weihte sie mit ihren Zähren, welche langsam auf deren Häupter herabrieselten.