Jetzt schloß sie ihn in ihre Arme und eine Pause entstand, reicher an stiller tiefer Wonne, als deren manches ganze Leben enthält.

Die Eltern segneten die Stunde, welche den Grafen zum ersten Male in ihr Haus geführt. Nach einiger Zeit erhob man sich und nahm die Wohnung der Kinder in Augenschein. Man besichtigte sie von oben bis unten, man ließ nicht die kleinsten Winkel unbeachtet — und es bestätigte sich Alles, was man früher von ihr erfahren hatte. Sodann ging man in den Garten hinab, dann in den Hof, in die Seitengebäude, Alles entsprach einem großartigen Plane, und Alles stand unter einander in der schönsten Harmonie.

Endlich nahmen die Alten mit ihrem Sohne Abschied von dem Ehepaar — und begaben sich auf den Rückweg nach Hause; denn es war heute bei ihnen, aus Anlaß des Nachfestes zu der Vermählungsfeier Cölestinens — Tafel, bei welcher einige nähere Freunde des Hauses erscheinen sollten. —


Siebentes Kapitel.
Ein Tête à tête — jedoch kein zärtliches.

Es schlug sechs Uhr. Dies was die Zeit des Diners. Im kleineren Salon der Generalin waren bereits alle Gäste versammelt, unter denen uns mehrere Personen nicht ganz unbekannt sind. Denn es fanden sich hier der Graf und die Gräfin von Wollheim — Herr und Frau von Porgenau — die Wittwe jenes Feldmarschall-Lieutenants E—z, so wie die Stiftsdame, Fräulein Eugenie von Bomben (62 Jahr alt). Auch Herr von Labers, der Mann, welchen Alles hochachtete, war zugegen.

Man schritt paarweise in den Speisesaal, wo eine auserlesene Tafel bereit stand, die Gäste aufzunehmen. Dies Diner wäre ein ganz gewöhnliches gewesen und hätte sich durch nichts von einer materiellen Mahlzeit oder Esserei unterschieden, hätten nicht unsere drei oder vier Paar Originale, dergleichen nicht überall in der Welt zu finden sind, daran Theil genommen. So aber war für den Geist mehr als hinreichend gesorgt; d. h. für den Geist, welcher Kontraste und satirische Verwickelungen liebt.

Nach den ersten Gängen — man servirte in diesem Hause auf französische Weise — wurde endlich jene einförmige Stille, die den Anfang eines Mahles bezeichnet, durch einige schlechte Witzworte des trefflichen Herrn von Porgenau unterbrochen und der Genius der Unterhaltung senkte sich auf die Gesellschaft herab.

Es ist im Grunde zwar nicht nöthig, so gewissenhafte Geschichtsschreiber wir übrigens auch sind — jedes alberne Wort Herrn von Porgenau’s durch unsern Griffel der Unsterblichkeit zu überliefern... Indeß dürfen wir auch diesem Manne, da er einmal ein Charakter ist, (obgleich nicht in dem Sinne, worin Börne von Gutzkow ein Charakter genannt wird) nicht Unrecht thun, und so geben wir denn so viel Züge und Striche von ihm, als zur vollständigen Zeichnung seines Bildes nothwendig sind.