Nicht daß es dem Chevalier an Fehlern und Untugenden gemangelt hätte; ich weiß nicht, ob er auch nur im entferntesten Sinne einen Vergleich mit jenen edlen Menschen ausgehalten hätte, welche wir zuletzt nannten, vorausgesetzt, wir hätten ihn mit dem Maßstabe der reinen Moral zu messen; nach den Begriffen der Gesellschaft und Zeit jedoch war Herr von Marsan das Muster eines vornehmen Mannes, d. h. eines Salonsubjektes.
Ach, Ihr guten Seelen, die Ihr in kleinen Häuschen mit Strohdächern, unter denen Schwalben und Bienen nisten, wohnt, Ihr habt freilich keinen Begriff von dieser Tugendhaftigkeit und dieser Mustergiltigkeit. Nach Eurer unverständigen Meinung wäre dieser Chevalier vielleicht weiter nichts, als ein hübscher, reicher, leichter, träger, thörichter, vielleicht auch gutherziger, jedenfalls aber ausgelassener und gewissenloser junger Springinsfeld gewesen. Gut, daß Euer Votum in der Wagschaale der bessern Gesellschaft nicht gilt — Ihr würdet dort eine schöne Confusion damit anrichten.
Doch wir wissen jetzt ungefähr genug von dem Charakter des Ritters von Marsan und eilen nun zu den Begebenheiten, worein wir denselben schnell verflochten sehen.
Eines Tages machte Edmund mit seinem Freunde, dem Grafen von Wollheim, einen Spazierritt in den Prater, als er, beim ersten Kaffeehause angelangt, ungefähr hundert Schritte davon ein Gedränge von Menschen, Pferden und Equipagen bemerkte. Hier muß etwas Außerordentliches vorgefallen sein, wiewohl dies nicht nothwendig ist und schon eine unbedeutende Kleinigkeit hinreicht, die guten Wiener sich mitten auf der Straße zu einer Schaar versammeln und neugierig den Himmel anstaunen zu sehen....
Als unser Freund näher kam, bemerkte er einen Herrn zu Pferde, der mit dem Thiere, welches äußerst widerspenstig schien, mit einer Kunst verfuhr, die ihn zum größten Reiter des Jahrhunderts stempelte. Dieser Herr hatte den Rücken gegen Edmund gekehrt, und so konnte dieser nicht wissen, wen er da vor sich habe. Jedoch schien es ein junger und äußerst glänzender Kavalier — sein Pferd aber war von arabischem Vollblut, „halb Hirsch und halb Vogel,“ wie Balzac sagt.
„Er wird das Thier doch nicht zum Stillstehen bringen.“
„Es ist vergebens! Das ist ein wahrer Teufel von einem Afrikaner!“
„Wie heißt das Pferd nur gleich!“