„Und Sie, mein bester Edmund, wie ist es Ihnen seither ergangen?“ fragte der Chevalier theilnahmsvoll: „Uebrigens sind Sie mir seit länger als einem Jahre die Antwort auf mein letztes Schreiben, welches ich Ihnen von Brüssel durch den Baron d’Orville zugesandt habe, schuldig.“

„Beim Himmel, Freund, ich habe weder den Baron noch Ihren Brief gesehen; auch ist es mir nicht erinnerlich, daß ein d’Orville jemals unsere Stadt berührt hätte. Allein wie verhält es sich um diese Sache — Herr von L**?“ wandte der junge Randow sich an einen ältern Herrn, der ihm zur Seite ritt, und welcher Herr eines von den lebendigen Neuigkeitsbureaux vorstellte, an denen in der société einer großen Stadt wahrlich kein Mangel ist.

Herr von L**, das Neuigkeitsbureau, (er wußte Alles) sann ein wenig nach, murmelte dann zwischen den Lippen „d’Orville, d’Orville“ — — und sagte zuletzt mit der größten Bestimmtheit: „Ein solcher Kavalier ist hier ganz gewiß nicht durchgereis’t.“

„Das kann möglich sein.... denn der Baron, der immer auf Reisen ist, hat die Gewohnheit, seine Route hundert Mal in einem Tage zu verändern.... und er ist im Stande, sich z. B. von hier aus auf die Reise nach dem Ladoga-See zu begeben; in der Nähe der russischen Grenze — besinnt er sich dann — kehrt um und reis’t nach Portugal. —“

In diesem Augenblick fuhr an der Cavalcade eine Equipage vorbei. Marsan wandte sich zufällig nach der Seite und stieß beim Anblick der Personen im Wagen einen leisen Ruf aus.

„Was haben Sie? Was haben Sie?“ fragte Edmund.

„Können Sie mir vielleicht sagen,“ gegenfragte der Chevalier rasch — „wem dieser Wagen gehört?“

Erst jetzt blickte Edmund nach demselben: „Mein Gott!“ rief er erstaunt — „sollte dies möglich sein? — Dies ist die Equipage meiner Schwester, der Gräfin A—x; da sie uns jedoch bereits zu weit vorgekommen ist, kann ich nicht sagen, ob Cölestine selbst sich darin befinde. Indeß wäre dies ihre erste Fahrt im Prater.... die ganz unvermuthet geschehen sein würde — denn so viel ich weiß, ist die Zeit, wo sie sich zum ersten Male mit ihrem Gemahle zeigen sollte — noch nicht erschienen.“

„Ah!“ versetzte Marsan nachdenklich: „jener Herr neben ihr war also ihr — Gemahl....“

„Wenn sie es ist — ganz zuverläßlich.“