Hiermit ward das Gespräch auf einen andern Gegenstand geleitet und die Cavalcade trabte einem Seitenwege zu. Marsan war der Leiter, jedoch hatte er diesen Seitenweg gleichsam nur so zufällig eingeschlagen....
Auf diesem kürzeren Wege nun konnte man nach dem Jägerhause, welches der Schlußpunkt einer gewöhnlichen Praterpromenade ist, — schneller als auf jedem andern gelangen, und kam daher den Wagen und Reitern, welche die Hauptstraße einschlugen, vor. — Hieran dachte jedoch Niemand, auch wußte Marsan die Unterhaltung so zu lenken, daß durch sie die Gesellschaft hinlänglich beschäftigt ward. So allein war es möglich, daß man die Equipage Cölestinens, worin in der That sie mit ihrem Gemahle saß, zum zweiten Male begegnete — ohne daß Jemand etwas davon merkte. Nur der Chevalier machte hiervon eine Ausnahme.... er warf in einem Augenblick, wo alle Andern tausend Schritte weit davon wegsahen, einen raschen und kurzen Blick in den Wagen; dieser Blick jedoch war hinreichend, um in Marsans Geiste eine Fülle entzückender Bilder — in seinem Herzen eine Fülle heißer Wünsche zu erregen....
Alles dieses schien jedoch äußerlich nur dazu zu dienen, um aus seinem Munde ein kaltes, gleichgiltiges Gelächter, wie man ein solches hundert Mal des Tages aufschlägt, zu locken, womit er sich dann an seine Umgebung wandte, indem er dabei nach zwei Jungen wies, die in einiger Entfernung davon sich balgten.
Man kehrte noch vor dem Jägerhause um und begab sich auf den Rückweg. Der Chevalier war nicht heiterer und auch nicht trauriger wie zuvor. Es schien nichts vorgefallen zu sein. Er sprach über Dieses und Jenes, kam aus dem Hundertsten ins Tausendste, wie es der Charakter einer Conversation unter jungen Männern dieses Standes mit sich bringt.
Am Eingange des Praters trennte sich die Gesellschaft und zerstreute sich nach verschiedenen Gegenden. Der Chevalier und Edmund indeß blieben beisammen, da der Erstere ihn eingeladen hatte, seine Wohnung kennen zu lernen und mit ihm zu Mittag zu speisen.
„Wir haben uns ja so lange Zeit nicht gesehen — und so müssen wir uns endlich recht fest und ordentlich ansehen. Ach, mein Freund, wie freue ich mich, so wider Vermuthen mit Ihnen zusammengetroffen zu sein!“ bemerkte Marsan.
„So wußten Sie also nicht, daß ich in Wien sei?“
„Gewiß nicht; ich vermuthete Sie tausend Meilen weit von hier. Sie stießen mir ja in keiner der ersten Gesellschaften auf...“
„Mein Freund — der Grund hievon ist die Heirath meiner Schwester. So lange sie nicht in die Gesellschaft zurückkehrte — hielt ich es für passend, ihr darin zu folgen.“