Doch Alexander vertraute der Geliebten; er sah ja, daß sie nur in ihm und für ihn lebte... Nein, nein, er hatte noch nicht die geringste Störung empfunden an dem süßen Frieden seiner Seele. — — Ach, er liebte unaussprechlich!

Wie gesagt, sie hatten bereits in mehreren Häusern Besuche gemacht. Ueberall waren sie mit einer Freude empfangen worden, der es an Worten nicht fehlte. Man sagte ihnen tausend schmeichelhafte Dinge — und Alexander war entzückt über die Komplimente, welche man seiner Gemahlin zu ihrem heitern, rosigen, reizenden Aussehen machte. Imgleichen vergaß man bei diesen Lobsprüchen auch seine Person nicht — nun glühten wieder die Augen Cölestinens im Feuer der Freude — ihre Wangen färbte holde Zufriedenheit, und sie sagte sich im Stillen:

„Das Alles ist mein Verdienst! Denn ich habe ihn so gemacht, wie er jetzt ist.“

Außerordentliches Aufsehen machte die naive Antwort, welche sie einer Dame auf die Frage gab: „An welchen Tagen in der Woche werden Sie Ihre Salons der Gesellschaft öffnen, meine Beste?“

„Meine Beste,“ hatte Cölestine geantwortet: „ich weiß es noch nicht.“

In weniger als vierundzwanzig Stunden war diese Aeußerung der jungen Frau in allen Häusern herumgekommen und überall rief man aus:

„Ach, welche affektirte Einfalt! Man könnte es sogar einfältig nennen.“

Und dies war es auch. Einfältig war es gesprochen — aber mit jener heiligen Einfalt, in der Gott unsere Herzen geschaffen hat. — Dieses liebevolle und glückliche Weib hatte wirklich noch nicht an Pflichten gedacht, die der Welt so überaus wichtig scheinen, dem Herzen aber so wenig, daß es sie vergißt.

In fünf bis sechs Tagen hatte das Ehepaar die Tour beendigt; die Equipage des Grafen A—x hatte so ziemlich in allen großen Straßen der Hauptstadt angehalten. — Aber damit war nur noch die Hälfte der Arbeit geschehen; denn jetzt sollten die Besuche erwiedert werden, jetzt fuhren die fremden Equipagen colonnenweise vor dem Palais des Grafen auf.