„Was — eine Laune?“

„Oder vielmehr — eine Nothwendigkeit! — Und hier dieser Mann,“ — er wies auf den Fiaker, welcher nicht von seiner Seite wich — „hat Alles zu verantworten. —“

„Das heißt: die zerrissenen Hosen des gnädigen Herrn haben es zu verantworten....“

„Nun, ja auch das!... Denke Dir nur, lieber Edmund — wie ich da unten an den Beinen aussehe — hehe!“ Er warf den grünen Mantel ab und wies die hintern Theile seines Körpers und seiner Kleider...

„Tausend Sapperment! — Aus welchem Welttheile kommst Du denn? Was sind denn dies Alles für Kleider?“

Jetzt erst erzählte Althing den ganzen Zusammenhang der Geschichte und nun war Edmund nicht länger im Stande, den Ernst, welchen er aus dem Zimmer mitgebracht hatte, zu behaupten. Er lachte wie toll — ließ seinen Kammerdiener kommen und befahl ihm, den dicken und entblös’ten Freund in die Garderobe zu führen. „In einer halben Stunde,“ setzte er gegen diesen gewendet hinzu, „sehen wir uns wieder; Du magst bis dahin Dich in mein Rauchzimmer verfügen — dort wirst Du neue Cabannas finden oder wohlriechenden Persier, den Du aus Wasserpfeifen rauchen mußt...! Bis dahin Adieu!“

Der Fiaker erhielt seinen grünen Mantel und seinen Lohn und begab sich inmitten einiger Lakaien hinweg, denen er den ganzen Vorfall erzählen mußte und welche, wie es die Art dieser Schelme ist, über das Malheur ihrer Herren oder dessen Freundes ein größeres Vergnügen empfanden, wie über irgend ein fremdes.

Althing hatte sich bald wieder angekleidet. Nur mit seinem Schnurbart war er noch brouillirt. Dieser hatte unter dem Mantel, womit der Dicke sich zeitweise bis zur Nase bedeckt hatte, die ganze Farbe verloren; und ein solcher Artikel war auf Edmunds Toilette nicht zu finden, weil der Jüngling von Natur mit einem Haar vom schönsten Kastanienbraun bedacht war... Allein einem so wichtigen Mangel mußte abgeholfen werden und unser Adonis besann sich nicht lange; er schickte den Diener, der ihm beim Ankleiden geholfen, fort, griff nach einem in der Nähe stehenden Gefäße, welches er für ein Dintenfaß hielt, und bestrich sich mit dem Inhalt tüchtig den Bart...

Aber o Entsetzen! Kaum daß er damit angefangen, als er ein Prickeln und ein Surren an seiner Lippe verspürte... bald erfüllte ein höllischer Gestank seine Nase — ein brennender Schmerz verbreitete sich an der Lippe, drang immer tiefer ein — der schöne Bart krümmte sich, schrumpfte ein — — und fiel stückweise herab... der Schmerz wurde fürchterlich — die Lippen schwollen an...