Der Unselige hatte sich mit Vitriolöl eingeschmiert.
Wo aber war während der Operation seine Nase gewesen? Hatte er das Oel nicht gerochen? — Ach, er war zu sehr beschäftigt und von seinen Reizen erfüllt... er hatte keinen Geruch, kein Gehör, keinen Geschmack — er hatte nur Augen gehabt, der Bedauernswerthe. Diese Augen sahen aber auch nur — ihn. —
Auf sein Geheul liefen abermals die Diener herbei. O weh! wie sah dieser noch vor wenigen Augenblicken so schöne Mann aus! Es schien, als gehörte er, seinem Kopfe nach, zu dem Geschlechte der Elephanten — so rüsselförmig hatte sein Mund sich gestaltet.
Man brachte ihn aus dieser Rauchatmosphäre heraus, die sehr nachtheilig auf das metamorphosirte Glied einzuwirken schien, und trug ihn in ein anderes Zimmer. Hier wurde er auf ein Sopha gelegt und man begann ihn oder eigentlich seinen Rüssel mit Eisumschlägen zu traktiren. Die jedoch schienen seine Schmerzen nur zu vergrößern und so sah man sich denn genöthigt — da keiner von den Dienern medizinische Kenntnisse besaß — nach einem Arzte zu senden. Aber die Zeit, bis dieser erschien, war für unsern unglücklichen Adonis eine Epoche schauderhafter Höllenqualen: „Oh! Oh!“ wehklagte er — „was ist mit mir geschehen?.. Das brennt und sengt ja, als wenn zehntausend Pechfackeln darauf geschleudert würden! — Ein ganzes Rudel von Beelzebubs tanzt mir auf dem Munde herum! — Ein Gehenna, ein Gehenna — wächst mir unter der Nase hervor! — —“ Aber so deutlich wie hier angegeben wird — konnte der Gequälte nicht sprechen. — Es war ein stotterndes und stammelndes Geschrei, was seinem Munde entströmte... Zuletzt wurde es ganz unverständlich — er konnte die Lippen nicht mehr auseinander bringen — sie schienen zu verwachsen. —
Nach ewiglangem Zögern erschien der Sohn Aeskulaps. Sogar er schlug die Hände zusammen und konnte ein leises Gelächter nicht unterdrücken — als er hier einen berüsselten Menschen vor sich erblickte. Der Fall war ihm noch nicht vorgekommen. — Die Gesetzbücher Aeskulaps jedoch haben auch einem solchen Fall vorgesehen; überhaupt findet man in ihnen selbst für die unmöglichsten Fälle Rath — — nur daß letzterer häufig nicht viel hilft.
War es Bleiweißsalbe oder ein anderes Spezifikum, was der Doctor verordnete, genug es wurde eine Salbe auf einen Leinwandlappen gestrichen und dies dem Patienten auf den Rüssel gelegt.... Da ein ungeschickter Lakai ihm auch die Nase damit bedeckte, so war der Arme in Gefahr zu ersticken — und nur indem er sich des Lappens mittelst eines kühnen Risses entledigte, befreite er sich vom Tode.... Eine gewandtere Hand legte das Pflaster jetzt dahin, wohin es gehörte — und so ward die Ordination des Doctors vollzogen.
— — Mittlerweile fand in dem Zimmer nebenan ein sonderbarer Auftritt statt. Es war dies dasselbe Zimmer, wo Edmund sich mit jenem fremden Herrn, von welchem der Diener zu Althing, als dieser sich im Banditenkostüm die Treppe hinauf begab, gesprochen...