„Sie wollen reinen Wein haben? Nun gut! — Zuerst: ob ich Ihnen Geld gebe? — Ja — — wenn nämlich zweitens: Sie mir das geben, was ich brauche.“
„Und worin besteht dieses?“
„In einer Verschreibung von lumpichten 4000 Gulden nebst den gesetzmäßigen Zinsen!... Ist Ihnen das recht, sollen Sie: 1tens augenblicklich die 300 Dukaten — und 2tens sollen Sie Ihr altes Papierchen über die 1500 Gulden zurückhaben in beiden Originalen, mein Gnädigster. — Dies nennt man einen brüderlichen Handel, auf Ehre!“
Edmund besann sich nicht lange; so Etwas lag, bei einem Falle wie der gegenwärtige, nicht in seiner Art. Er unterschrieb — zerriß die alten Papiere und empfing das neue Geld.
So endete diese Szene, nach welcher Meister Lips sich gehorsamst empfahl — und durch eine Hinterthüre aus dem Palais schlich — begleitet von Edmund, der ihn die verborgensten Wege führte. —
Elftes Kapitel.
Die beiden Gatten und der Verdacht.
Der Graf v. A—x hatte die Gewohnheit, sich nach dem Bureau, in welchem er arbeitete, zu Fuße zu begeben. Diese Sitte behielt er auch nach seiner Verheirathung bei, wiewohl jetzt seine Wohnung (wir wissen, daß sie sich in der Nähe des Augartens befand) von dem betreffenden Regierungsgebäude ziemlich entfernt lag. — Aber der Weg dahin war größtentheils einsam, zum Theil sogar romantisch, denn Alexander wußte, indem er die Häuser vermied, ihn zwischen Gärten und Pflanzungen zu wählen — und so stimmte er ganz zu seinem Gemüthe, das, wenn auch beglückt und froh, einen ernsten Grundzug niemals verläugnete.