Es gelang ihm in sehr kurzer Frist, ein so heiteres Lächeln auf seine Lippen zu zaubern, daß Cölestine freudig aufathmete und ihn mit dem Ruf: „So darf ich also ruhig sein!“ umarmte; „doch sprich,“ setzte sie hinzu — „was ist das heute gewesen? Beruhige mich vollständig, denn irgend etwas Ungewöhnliches muß dennoch mit Deinem Ausbleiben zusammenhängen.“

„Nichts, nichts, meine theure Cölestine!“ versetzte er: „nichts — oder nur sehr wenig. Mich hatte, als ich das Haus verließ, um nach dem Bureau zu gehen, auf einem Umwege, welchen ich nahm — eine leichte Unpäßlichkeit überfallen, und da ich glaubte, dieselbe würde bald vergehen, trat ich in ein nicht weit von dem Orte stehendes Gasthaus — wo ich mir ein Zimmer öffnen ließ, um daselbst etwas Stärkendes zu mir zu nehmen; denn, wie Du weißt, ich habe heute nicht gefrühstückt. — Doch zum Unglück verlief mein Zustand nicht so schnell, als ich erwartete — ich mußte mich auf eine Ruhebank hinstrecken und blieb da so lange liegen, bis ich wieder hinlängliche Kräfte gesammelt hatte, um den Rückweg nach Hause anzutreten. —“

„Aber mein Gott,“ versetzte die Gattin und Thränen traten ihr in die Augen: „warum hast Du mir davon nichts wissen lassen? Ich wäre mit dem Eifer der Liebe zu Dir geeilt, und hätte Dich gepflegt.... Mindestens hättest Du Dich ja in einem Miethwagen nach Hause können bringen lassen. — —“

„— — Es war mir jedoch darum zu thun, Dir jede Unruhe zu ersparen, theure Geliebte!“

Jede?! Unruhe wolltest Du mir ersparen? — O das hat Dein Herz nicht gesprochen, Alexander. Weißt Du denn nicht, daß ich es für meine Pflicht halte, Leid und Freude mit Dir zu theilen — und daß diese Pflicht mir Lust ist?.. Und dann, könntest Du glauben, Deine lange Abwesenheit, Dein Wegbleiben zur gewöhnlichen Zeit hätte mich nicht doppelter Unruhe, der Unruhe und Qual der Ungewißheit! preisgegeben?..... Geh doch — — abscheulicher Mann! Böser, böser Alexander! Welche Angst, welche Sorge habe ich um Dich ausgestanden!“

Er sah sie mit einem Blicke an, der sie bis in dem tiefsten Winkel der Seele ausholen sollte, und fragte mit halblauter Stimme: „Wirklich hast Du das?“

„Nun!“ erwiederte Cölestine arglos: „und Du zweifelst noch? Du willst es mir am Ende nicht einmal glauben? — Wahrhaftig — Du schlimmer Mensch, wäre in diesem Augenblick freudigen Wiedersehens die Zeit dazu — ich würde sie Dir recht fühlen lassen, diese Worte, welche Du so eben gesprochen; doch hat Dein Herz sicherlich keinen Antheil daran. —“

„Sicherlich — nein!“ erwiederte er mit heiterer Miene und nahm die Beweise ihrer Zärtlichkeit, mit denen sie ihn überschüttete, wie ein glücklicher, wie ein froher Mann hin.

Und doch war dieser Mann im Grunde seiner Seele so unglücklich, so kummervoll.

Aber das ist eben die Natur des Eifersüchtigen, daß seine entsetzliche Leidenschaft, einmal erregt, durch nichts zu stillen ist — als durch die Macht der Zeit. Der größte Beweis von Liebe überzeugt ihn nicht — er sieht, wie der Fieberkranke, Alles blutroth und schwarz — selbst die reinste Lilie erscheint ihm ihres jungfräulichen Schmuckes entkleidet als dunkle Todesblume. — Die Eifersucht ist ein niederer Grad von Wahnsinn, der jedoch bisweilen zum höchsten führen kann.