„Nun aber“ sagte Cölestine, als sie ihren Mann sich aufrichten und an ihrer Seite Platz nehmen sah: „will ich Deiner Gegenwart mich auch in doppeltem Maße erfreuen. Du warst einen ganzen Tag nicht bei mir — ich will jetzt in einer Stunde so viel Glück zu erwerben suchen, wie sonst in dreien; und es wird mir auch gelingen, denn ist Dein Herz nicht reich und ist es das meine etwa weniger? O wir dürfen ja nur mit beiden Händen zulangen — das Füllhorn unserer Freude ist unerschöpflich! Meinst Du dies nicht auch, Alexander?“
„Gewiß, gewiß, mein holdes Weib! — Und so bist Du denn meiner Wiederkunft, wie ich sehe, recht inniglich froh! Ja, ja — ich begreife es, wie Du während meiner Abwesenheit Dich in Sehnsucht nach mir verzehrt haben wirst — ich kann mir Deine Seufzer, Deine Thränen so lebhaft vorstellen! —“
„Du kannst es — Alexander? — Und doch hast Du sie — ich möchte sagen — muthwilliger Weise hervorgerufen; denn eine Zeile, die Du mir geschrieben — ein Wort, das Du mir hättest sagen lassen, würden mich beruhigt, dieses Fürchten, diese Angst von mir gebannt haben. — Ach, es ist nicht schön, eine Gattin, welche Dich so zärtlich liebt, zu quälen.... es ist nicht schön....“
„Es ist nicht schön — Du hast Recht.“
„Nun, wenn Du es nur selbst zugibst! — Doch Alles das ist ja vorbei, und so reden wir nicht mehr davon. Ach gewiß, mein Geliebter — der gütige Schöpfer hat auch den Schmerz zu unserem Glück erschaffen. Wir empfinden nach ihm die Freude um so inniger. — Und überdies, welches Herz vermag unausgesetzt Wonne zu ertragen? Es erlahmt, es sinkt dahin unter ihrer Last.“
„Eine richtige Bemerkung,“ entgegnete der Mann mit bitterem Lächeln: „und darum wurde von der Natur die — Abwechslung erschaffen.“
Sie hatte weder in seine Mienen geblickt noch den Ton seiner Stimme abgewogen. Sie schien so selig, so zufrieden — — in ihrer Brust war für nichts Anderes Raum. —
Sein Blick lief jetzt auf ihre ganze Gestalt umher. Er bemerkte zuerst, daß Cölestine nicht das gewöhnliche Deshabillé, welches sie sonst zu Hause trug, und das er so sehr liebte — sondern ein elegantes Gesellschaftskleid angezogen habe.
An diesem Strohhalm hielt er zuerst sich fest. —
Er sprach noch über Dies und Jenes, dann leitete er die Unterhaltung so, daß er unvermerkt die Frage stellen konnte: weßhalb Cölestine gesellschaftsmäßig gekleidet sei. —