Zweites Kapitel.
Die Nichtswürdigen.

Eben hatte es auf einem Thurme in der Nähe elf Uhr geschlagen. Dieser Klang tönte erschütternd durch die Ohren Edmunds, welcher sich von seinem Lager noch immer nicht erhoben hatte, sondern dasselbe Stunde für Stunde mit seinem Angstschweiße tränkte — gleich einem Armensünder-Lager. Wir haben bereits Vieles von dem Treiben und Thun dieses verlornen Jünglings erzählt — wir haben jedoch noch nicht Alles, noch nicht das Letzte gesagt. — Edmund von Randow, der Sohn eines der edelsten und ruhmvollsten Häuser des Landes, war nicht nur Müßiggänger, Libertin, Verschwender, Spieler und ein Roué der gemeinsten Klasse geworden — — Edmund von Randow, der Sohn eines der ersten und vornehmsten Geschlechter zweier Reiche — — war sogar bis zum Betrüger hinabgestürzt....

Nachdem wir dies entsetzliche Wort ausgesprochen haben, bleibt uns nichts anderes übrig, als es zu rechtfertigen, und dies soll sofort geschehen.

Es waren seit dem letzten Glockenschlage noch kaum einige Minuten verflossen, als nicht der Baron von Leuben, wohl aber Herr Theobald Wurmholzer in’s Zimmer trat. Auf die Stirne dieses Menschen hatte sein Leben und sein Handwerk Züge gezeichnet, die nicht zu verkennen waren. — Herr Theobald erschien mit einer lustigen Schurkenmiene und einem schmetternden „Guten Morgen!“ Als er Edmund, dessen Zustand und Lage erblickte — brach er laut in die Worte aus: „Sacre bleu! Was ist denn das? Hat für meinen Busenfreund Edmund der Hahn noch nicht gekräht? — Bougre! das nenn’ ich einen guten Schlaf — der freilich auch einem guten Tage folgt....“

Edmund begnügte sich damit, sich halb aufzurichten und dem Abscheulichen eine Art von Willkomm entgegen zu murmeln, womit dieser zufrieden schien, denn er setzte sich, nach dem Brauche solcher Herren, ohneweiteres auf das Bett — und fuhr in seiner lärmenden Weise fort: „Sie werden wissen, mein verehrungswürdiger Freund Randow — daß ich nicht gekommen wäre, Ihren süßen Schlaf zu stören, nöthigte mich hierzu nicht jene dringende Pflicht, die ich gegen mich selber habe und die Ihnen hinlänglich bekannt ist; Sie begreifen —: Die heiligste Pflicht des Gentlemans und Spielers besteht in —“

Edmund fuhr bei dem letzteren Worte ein wenig überrascht in die Höhe —: „Sie nennen sich also kurzweg: einen Spieler!“

„Darauf kommt es hier nicht an und es wird Ihnen auch gewiß sehr gleichgiltig sein...“

„Ich meine nur — — bisher haben Sie sich unter diesem Titel noch nicht vorgestellt....“