„Aber,“ sagte Gräfin Wollheim, „wie konnte man nur so grausam sein, und das Räthselhafte in dieser Begebenheit dadurch erklären, daß man Herrn von Marsan mit ihr in eine Verbindung brachte, welche Verbindung —“

Hierbei fiel Herr von Labers ein: „durch die Würde der jungen Gräfin hinlänglich widerlegt ist. — Ach, wir leben in einer Zeit, die sich mit Gewissen und Ehre bereits so weit abgefunden hat, daß man beide nur mehr dem Namen nach gebraucht.... Man könnte unsere Epoche, ähnlich wie man frühere die des Glaubens — des Schwertes — der Barbarei — der Philosophie — der Umwälzungen — nannte: eine Epoche der Lüge oder des Wahnsinns nennen.“

„Man geht so weit, zu behaupten,“ nahm Gräfin Wollheim wieder das Wort: — „Graf Alexander habe gegründeten Verdacht — Beweise sogar, daß Cölestine —“

„Entsetzlich! Und so Etwas behauptet man wirklich?“ rief die Generalin E—z.

„— — Und mit Recht!“ flüsterte das Stiftsfräulein der Gräfin zu: „Mit Recht!“ Die edle Menschenfreundin konnte die Vertheidigung der Tugend nicht länger mehr anhören....

„Was hat man nicht Alles bereits in der Welt behauptet!“ sagte Labers lächelnd: „dergleichen Gerüchte schaden jedoch nicht mehr... Der, welcher sie spricht, so wie der, welcher sie hört, glauben Beide nicht mehr an sie.“

„Der Graf soll für Cölestine ein Schreiben hinterlassen haben.... worin er Punkt für Punkt seine Anklage vorbringt... da soll es unter Anderem auch heißen: er habe mit eigenen Augen die Zeichen bemerkt, welche Cölestine mit dem Chevalier auf irgend einem Balle gewechselt...“

„Die Zeichen waren handgreiflich,“ flüsterte die Stiftsdame....

„Ferner,“ fuhr die Gräfin fort: „gleich nach diesem Balle habe Cölestine mit dem Chevalier eine geheime Zusammenkunft gehabt...“

„In ihrem eigenen Boudoir — oder vielmehr Schlafzimmer, und zur Nachtzeit, da Alles schlief... sie war drei volle Stunden mit ihm eingeschlossen; — ihr Mann hat sie auf dem Verbrechen ertappt — ihr Wesen — ihre Kleidung befand sich in einem Zustande...“